vorangehende Seite
end
Arktis Klimaforschung
NSIDC Meereisfläche im Arktischen Ozean 2016
2016 Sommerminimum auf Tiefststand
AIW Meereisentwicklung in der Arktis 2016 2016
Arktis Weitere Informationen
Arktis - Antarktis
Arktis-Antarktis Meereis-Entwicklung Grafiken
Videos über die Arktis Klimawandel
Gletscher-Videos Schweiz
Arktisches Meer Weitere Informationen
Klimawandel Arktis-Antarktis Geografie-Erdkunde Klima
Arktische Gletscher
Gletscherschmelze erhöht Umweltgefahren

Schmelzende Eisdecke könnte Schadstoffe aus dem Kalten Krieg freilegen

In den 60er Jahre wurde in Grönland ein militärischer Stützpunkt unter dem Eis aufgegeben. Eine internationale Studie mit Beteiligung der Universität Zürich zeigt nun: Durch den Klimawandel könnten gefährliche Abfallstoffe wieder an die Oberfläche gelangen, die eigentlich als für immer unter dem Eisschild begraben betrachtet wurden.

Im April 1951 vereinbarten die USA und Dänemark, Grönland als dänisches Hoheitsgebiet gemeinsam gegen mögliche Angriffe der Sowjets zu verteidigen. 1959 wurde 200 Kilometer landeinwärts von der grönländischen Küste «Camp Century» eingerichtet. Offizieller Zweck war die Erprobung von Bauverfahren unter arktischen Bedingungen.

Das Camp versuchte im Rahmen eines geheimen Programms den Nachweis zu erbringen, dass der Bau von unter der Eisoberfläche gelegenen Abschussrampen für Atomraketen möglich sei. Ausserdem wurden wissenschaftliche Studien zur Ermittlung von Klimadaten durchgeführt. Die Stromversorgung übernahm ein Atomreaktor. Als der Stützpunkt, in dem 85 bis 200 Soldaten stationiert waren, aufgegeben wurde, entfernte man den Kernreaktor, liess die Infrastruktur und alle übrigen Abfälle jedoch zurück.

Der amerikanische Militärstützpunkt «Camp Century» wurde 1959 im ewigen Eis Grönlands errichtet und diente im Kalten Krieg als Testgelände für die Stationierung von Atomraketen. Als der Standort 1967 aufgegeben wurde, liess man die vorhandene Infrastruktur und die Abfälle in der Annahme zurück, dass sie vom Schnee bedeckt und für immer begraben sein würden.

Doch im Zuge des Klimawandels hat sich die Arktis stärker als jede andere Weltregion erwärmt. Eine neue Studie der kanadischen York University, an der auch die Universität Zürich beteiligt ist, zeigt nun, dass die Eisschicht über «Camp Century» bis Ende dieses Jahrhunderts abschmelzen könnte. Die Infrastruktur und die zurückgelassenen biologischen, chemischen und radioaktiven Abfälle könnten wieder in die Umwelt gelangen und die umliegenden Ökosysteme schädigen.

Müll unter dem Eis

In der neuen Studie inventarisierten die Forschenden die in «Camp Century» zurückgelassenen Abfälle und führten Klimasimulationen durch. Das Team analysierte die Unterlagen der amerikanischen Armeeingenieure, um herauszufinden, wo und wie tief die Abfälle vergraben worden waren und wie sich die Eisdecke seit den 50er Jahren bewegt hat.

«Camp Century», das heute bis zu 35 Meter unter Eis liegt, nimmt eine Fläche von 55 Hektaren ein. Die Forscher schätzen, dass sich dort 200'000 Liter Dieseltreibstoff befinden. Anhand der in der Arktis damals verwendeten Baustoffe vermuten sie, dass die Anlage mit Polychlorbiphenyl, einem gesundheitsschädlichen Giftstoff, belastet ist. Zudem sind wahrscheinlich 240'000 Liter Abwässer vorhanden, darunter auch schwach radioaktiv belastetes Kühlwasser des damals eingesetzten Kernreaktors.

Folgen für Umwelt und Politik

Ausgehend von gängigen Klimaprognosen berechneten die Wissenschaftler, dass diese Abfälle keineswegs für alle Zeiten im Eis eingeschlossen sind. «Die Klimaszenarien deuten nicht darauf hin, dass der Schneefall unendlich lange über die Schmelze dominieren wird. Vielmehr könnten wir es schon im Jahr 2090 mit einer Netto-Schmelze zu tun bekommen», erklärt Mitautor Horst Machguth vom Geographischen Institut der UZH. Dann sei es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Schadstoffe zu tauen beginnen und ins marine Ökosysteme gelangen.

«Vor zwei Generationen war es in etlichen Weltgegenden üblich, Müll zu vergraben. Nun bewirkt der Klimawandel, dass sich die davon betroffenen Orte verändern», erklärt der Erstautor William Colgan, Klimatologie und Glaziologe an der York University in Toronto. «Das birgt eine ganz neue politische Herausforderung, über die wir uns Gedanken machen müssen.»

Die Studie plädiert jedoch nicht für eine sofortige Abfallbeseitigung. Noch ist der Müll zig Meter unter dem Eisschild verborgen. Zudem wäre die Reinigung teuer und technisch schwierig. Man müsse abwarten, bis die Eisschicht soweit geschmolzen ist, dass die Schadstoffe nur noch knapp unter der Oberfläche liegen. Erst dann sollte man ernsthaft über einen Abtransport nachdenken, so die Wissenschaftler.

Originalpublikation

Colgan, W., H. Machguth, M. MacFerrin, J. D. Colgan, D. van As and J. A. MacGregor (2016): The abandoned ice-sheet base at Camp Century, Greenland, in a warming climate, Geophysical Research Letters, doi: 10.1002/2016GL069688.
Eine Stadt unter dem Eis

Quelle: Text Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, Potsdam, Juli 2016

Weitreichende Folgen der arktischen Erwärmung
Informationen über Grönland
Informationen über die Nordwest- und die Nordost-Passage im Arktischen Ozean
2007 Nordwest-Passage eisfrei 2010 Schiffstransporte durch die Nordost-Passage
2011 Nordwest-Passage eisfrei 2012 Arktis - Neuer Negativ-Rekord
Arktis Kooperation im Ölgeschäft Arktische Küsten auf dem Rückzug
Forschung in der Arktis Projekt "Laptewsee" Projekt "MOSAiC"
Arktischer Ozean und Grönland
Gletscher in Grönland
Greenland's Icesheet
Arctic Monitoring and Assessment Programme AMAP
Videos über die Arktis - Klimawandel
KlimaCampus - Universität Hamburg
Meereiskonzentration in der Arktis und in der Antarktis 2010-2012 2 min
Videos

nach oben

Weitere Informationen
Arktis
Arktis und Antarktis
Arktis-Antarktis Meereisbedeckung - Grafiken
Arktis-Antarktis Aktuelle Meereisbedeckung
Meereis: Neuer Negativ-Rekord in der Arktis
Nordwest-Passage eisfrei 2007 Schmilzt das Eis an den Polen der Erde?
Auf Baffin immer weniger Eis Nordpolarmeer: Erwärmung ungebrochen
Grönland bald ohne Eis? Meereisausdehnung in der Arktis sehr gering 2010
Eis- und Klimaforschung in der Antarktis Schiffstransporte durch die Nordost-Passage 2010
Nordwest- u. Nordost-Passagen passierbar 2011 Nordost-Passage bald wieder eisfrei? 2012
Meereis-Entwicklung in der Arktis 2014 Der Atlantische Kabeljau erobert die Arktis 2013
Gletscher
Gletscher: Entstehung und Aufbau
Permafrost
Permafrost
Links
Externe Links
class="SchriftsatzBB2">
Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Arctic Portal: Arctic Maps
top
vorangehende Seite