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Burkina Faso: Mit traditionellen Techniken gegen moderne Gefahren
Bericht von Abdoulaye Tarnagada

Das Leben am Rande der Sahara ist hart. Mit dem Klimawandel nehmen Dürren und Überschwemmungen an Zahl und Intensität zu. Deshalb gewinnen in Burkina Faso angepasste alte Anbaumethoden dank Fastenopfer wieder an Bedeutung. Sie helfen Bauernfamilien, die Hungerperioden zu verkürzen.

"Wegen den verschiedenen Dürren in jüngster Zeit haben wir praktisch unser ganzes Vieh verloren", sagt Issoufou Maîga Yob. Der 48jährige Viehzüchter steht zwischen den wenigen Rindern und Ziegen, die ihm geblieben sind. Er stammt aus einer Familie, die seit Generationen von der Viehzucht lebt. Wie viele andere hat er nun aber begonnen, den Boden zu bebauen, um seine Familie zu ernähren: "Mein Feld misst 1,5 Hektaren. Hier wachsen Hirse, Sorghum und Kuhbohnen. Aber die Erde ist trocken. Und die Ernte reicht nicht aus, um die Familie zu ernähren."

Mit seiner Frau Salamatou und den neun Kindern lebt Issoufou Maîga in Djigo, einem Dorf in der Region Ceekol Nagge, 20 Kilometer westlich der Stadt Dori. Im Dorf mit 1'000 Einwohnerinnen und Einwohnern gibt es weder Schule noch einen Gesundheitsposten: Die Kinder besuchen die Schule im sechs Kilometer entfernten Touka-Korno, wo sich auch die nächste Wasserstelle befindet

Dem Klima ausgeliefert

Seit Monaten hat Maîgas Feld keinen Tropfen Regen gesehen. Djigo liegt mitten in der Sahelzone am Rand der Wüste Sahara. Und im Sahel regnet es nicht oder nur selten. Die Viehzüchter und die Ackerbauern hier sind dem Klima ausgeliefert.

Jetzt, da die Feldarbeiten auf Hochtouren laufen, bleibt die Nahrungssituation besorgniserregend. Im letzten Jahr waren die Ernten sehr schlecht, wegen ausbleibender Niederschläge. Die Weiden sind ausgetrocknet, die Reserven aufgebraucht, bevor die neue Ernte reif ist. Diese Hungerperiode heisst hier Soudure. Am stärksten betroffen sind die Viehzüchter.

Die Association Nodde Nooto, eine Partnerorganisation des Fastenopfers, engagiert sich in 14 Dörfern der Region Ceekol Nagge. Nodde Nooto bedeutet in der Sprache Fulfulde "bereit zu dienen". Und die Association trägt den Namen zu Recht.

In Djigo und seinen Nachbardörfern hilft sie Viehzüchtern und Ackerbauern, trotz immer länger werdender Trockenheit eine ausreichende Ernährung zu gewährleisten. Ihre Zielsetzung ist simpel: Zusammen mit den Bauernfamilien entwickeln sie ein Paket einfacher Technologien, die alle anwenden können und die den trockenen Bedingungen der Gegend angepasst sind. Zum Programm gehören: Biokompost, die Zai-Methode, Steinmäuerchen und verbessertes Saatgut.
Auch Issoufou Maîga hat davon profitiert. "Die einfachen Techniken erlauben es mir, die Erträge meines Bodens zu verbessern. Zudem kann ich damit Land bebauen, das bisher nicht nutzbar war."

Wie anbauen ohne Wasser?

In der Sahelzone gibt es keine Humusschicht, welche die Feuchtigkeit des Bodens bewahrt. Die seltenen Niederschläge sind stark und heftig. Statt im Boden zu versickern, schwemmt das Wasser die dünne Erdschicht weg. Um dem Abhilfe zu verschaffen, lernen die Bauernfamilien, um ihre Felder herum kleine Steinmäuerchen zu bauen. So wird das Wasser zurückgehalten und versickert langsam im Boden. So wird die Erde fruchtbar.

Mit den Animatoren von Nodde Nooto entdecken die Bäuerinnen und Bauern auch eine aufgegebene Technik wieder: Die Zai-Methode. Dabei werden Löcher von 15 Zentimeter Tiefe und 30 Zentimeter Durchmesser gegraben und mit zwei Handvoll Komposterde aus Kuhmist und organischem Abfall gefüllt. Darin wird der Samen eingebettet. Die Löcher bewahren den Tau und das Regenwasser besser als der ebene Boden.

Maîga sieht das Resultat: "Früher reichten die Ernten von Sorghum und Hirse, um meine Familie sechs bis sieben Monate zu ernähren.

Mit den neuen Techniken haben wir nun während neun Monaten im Jahr genug zu essen."

In erster Linie ist Maîga Viehzüchter, wie er selbst betont: "Doch im Sahel gibt es zuwenig Futter für die Rinder und Ziegen." Mit den neu erworbenen Techniken pflanzt er auf seinem Feld auch Viehfutter und bewahrt den Überschuss für die Trockenzeit auf: "Ich kann das Vieh mit dem Vorrat füttern, den ich nach der Ernte angelegt habe. Meinen Tieren geht es besser und sie geben mehr Milch." Dies bedeutet zusätzliche Nahrung und Einkommen, das ganze Jahr hindurch.


Biokompost statt Kunstdünger

Für ein ganzes Jahr vorsorgen

Doch was nützt es, wenn die Bauern die Erträge steigern, ihre Vorräte aber nicht für das ganze Jahr berechnen? Issoufou Maîga ist kein Einzelfall: "Früher haben meine Familie und ich solange von der Ernte konsumiert, bis alle Reserven aufgebraucht waren und wir nichts mehr zu essen hatten. Dann musste ich auf dem Markt einkaufen - genau dann, wenn das Getreide überall knapp wurde und deshalb auch andere Viehzüchter ihre Tiere verkaufen mussten." In dieser Zeit sind die Preise für das Getreide hoch und für das Vieh tief.

Nach mehreren Treffen mit den Animatoren von Nodde Nooto absolvierte Issoufou Maîga eine Ausbildung für die Planung und Verwaltung der Ernte. Eine ganzjährige Vorratsplanung hilft ihm seither, die Soudure zu verkürzen: "Ich habe gelernt, den Bedarf an Getreide zu berechnen, den meine Familie das ganze Jahr hindurch braucht. Nun verkaufe ich einen Stier während der Erntezeit zu einem guten Preis und kaufe mit dem Geld günstig Nahrungsmittel, die ich dann zusammen mit meiner Ernte als Vorrat lagere."

Die Weidezone sichern

In jüngster Zeit hat auch die Qualität des Weidelands gelitten. Die Viehzüchter mussten mit ihren Herden immer längere Distanzen zurücklegen, um genügend Gras zu finden. Deshalb legt Nodde Nooto viel Wert darauf, das Weideland der Region Ceekol Nagge zu sichern. Hier war bis vor kurzem gewissermassen "No man's land": Jeder konnte tun und lassen, was er wollte. Privaten Landbesitz gibt es nicht: Das Land gehört den 14 Dörfern. Doch seit der fruchtbare Boden knapper wurde, stritten sich Landwirte und Viehzüchter erbittert um den Zugang zum Weideland und zum Wasser.

Um die Streitigkeiten zu beenden, haben sich Delegationen aus allen 14 Dörfern zu einem Rat versammelt. "Mit der Hilfe der Animatoren von Nodde Nooto haben wir ein einvernehmliches Reglement zur Verwaltung des Weidelands ausgearbeitet", erklärt Issoufou Maîga. Jedes Dorf ordnete ein Teil seines Gebiets dem Weideland zu. Der Rest bleibt Ackerland.

Nun folgt der nächste Schritt: Diese Zone als Weideland dem Staat bekannt machen und im Kataster eintragen lassen. Indem der Staat dieses Gebiet als Weideland anerkennt, ist er gezwungen, dort einige elementare Infrastrukturbauten zu erstellen. Zum Beispiel einen Pferch für die Impfungen der Tiere und Wasserstellen. Das Ziel ist fast erreicht. Die regionale Verantwortlichen und das Ministerium haben ihre mündliche Zustimmung bereits erteilt.

Obama als Zeichen der Hoffnung

Issoufou Maîga steht vor seinem Haus mit dem Strohdach und lächelt. Er kann mit Hoffnung in die Zukunft blicken. Doch damit gibt sich nicht zufrieden: "Was ich gelernt habe, teile ich anderen Bauern mit, bei Austauschbesuchen, die Nodde Nooto zwischen den Dörfern regelmässig organisiert. Ich bin stolz darauf, meine Erfahrungen und mein Wissen weiter zu geben."

Sein jüngster Sohn ist am Tag der Amtseinsetzung des US-Präsidenten zur Welt gekommen: "Ich habe ihm den Namen Obama gegeben, weil er für mich die Hoffnung symbolisiert. Seit ich mit Nodde Nooto zusammenarbeite, habe ich bereits ein paar Rinder zusätzlich in meiner Herde. Dank deren Verkauf werden wir das ganze Jahr genügend zu essen haben und alle meine Kinder können die Schule besuchen."

Quelle: Text Fastopfer Schweiz, 2014

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Quelle: Fastenopfer
Fruchtbares Land für heute und morgen
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