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Bildungsraum Nordwestschweiz Zwischenbilanz 2011
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Bildungsraum Nordwestschweiz - Zwischenbilanz 2011

Meilensteine vierkantonaler Zusammenarbeit im Bildungsraum

Im Bildungsraum Nordwestschweiz sind wichtige Ziele der vierkantonalen Zusammenarbeit erreicht resp. auf gutem Wege, so die strukturelle und auch die inhaltliche Abstimmung. Grosse gemeinsame Projekte auf der Volksschulstufe, der Sekundarstufe II und im Bereich der Ausbildung von Lehrpersonen sind umsetzungsreif. 2012 wird erstmals ein vierkantonaler Bildungsbericht die kantonalen Bildungssysteme miteinander vergleichen und den Handlungsbedarf analysieren. Durch den Bildungsraum hat die Nordwestschweiz grösseres Gewicht in Bern gewonnen.

Die Regierungen der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Solothurn haben im Dezember 2009 die Vereinbarung über den Bildungsraum Nordwestschweiz abgeschlossen.

Ziele der Vereinbarung sind die qualitative Entwicklung der vier Bildungssysteme und ihre Abstimmung auf allen Stufen, von der Frühförderung bis zur Berufsbildung, zu den Gymnasien und zur Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen. Nachdem wichtige Meilensteine erreicht sind, ziehen die Bildungsdirektoren eine positive Zwischenbilanz.

Realisierung von Checks und Aufgabensammlung

Alle vier Kantone haben die Einführung von gemeinsamen Leistungstests (Checks) beschlossen. Die bisher kantonal unterschiedlichen Test werden durch gemeinsame Checks in Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften abgelöst. Aufgrund der Ergebnisse können die Lehrpersonen abschätzen, wo ihre Schülerinnen und Schüler im interkantonalen Quer-vergleich stehen. Die Checks dienen damit der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler und können als Orientierungshilfe in Hinblick auf Übertrittsentscheide und als Information bei Bewerbungen für Lehrstellen genutzt werden. Für die Kantone gibt es eine anonymisierte Auswertung zur Wirksamkeit des Bildungssystems.Gleichzeitig mit der Einführung von Checks wird zur Unterstützung der Lehrpersonen eine freiwillig nutzbare Aufgabensammlung aufgebaut. So entsteht eine umfassende Sammlung von Prüfungs- und Lernaufgaben, die dank einer Informatiklösung und der zugehörigen fachlichen Beratung und Unterstützung einfach und gezielt genutzt werden kann. Die Realisierung erfolgt ab 2012 und ist flächendeckend bis 2016/17 vorgesehen. Die pädagogischen, organisatorischen und finanziellen Vorteile der nun von den vier Kantonen realisierten Lösung könnten von einem einzelnen Kanton allein nicht erreicht werden. Die Bedeutung dieses Schritts lässt sich daran ablesen, dass es schweizweit keine vergleichbare Lösung gibt.

Schwerpunkt Natur und Technik
Die Gestaltung und Weiterentwicklung des Schuleingangsbereichs ist weiterhin ein zentrales Thema im Bildungsraum. Die Basisstufe wird als vierkantonales Element nicht mehr weiterverfolgt. Der Kindergarten soll als Teil einer achtjährigen Primarstufe weiterentwickelt werden. Die Ergebnisse des Schulentwicklungsprojekts EDK-Ost zur Grundstufe/Basisstufe werden bei der Weiterentwicklung des Schuleingangsbereichs berücksichtigt.

Gemeinsame Struktur bleibt Ziel

Für die zukünftige Entwicklung des Wirtschaftsraums Nordwestschweiz sind gut ausgebildete Personen speziell in den naturwissenschaftlich-technischen Berufen von zentraler Bedeutung. Im Bildungsraum ist daher ein ganzes Bündel an Massnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern vorgesehen, die das Interesse der Schülerinnen und Schüler an Natur und Technik fördern und ihre Kompetenzen stärken sollen. Die Umsetzung erfolgt in Abstimmung mit dem von den Deutschschweizer Kantonen entwickelten Lehrplan 21. Dazu gehören insbesondere die koordinierte Einführung von geeigneten Lehrmitteln und die Verstärkung der Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen. Bereits aufgeschaltet ist eine Internetplattform, die den Schulen im Bildungsraum verschiedene Bildungserlebnisse zugänglich macht, mit über 50 Angeboten im Bereich Natur und Technik: Nutzung von Labors, Museumsbesuche, Waldexkursionen oder Mitarbeit auf einem Bauernhof. Ein Hauptgewicht bildet zur Zeit ein Schulentwicklungsprogramm unter dem Titel "SWiSE" (Swiss Science Education). Im Bildungsraum erhalten hier mindestens 16 Schulen die Möglichkeit, einen besonderen Schwerpunkt auf den Bereich Natur und Technik zu legen und wirkungsvolle Massnahmen für die Entwicklung des Unterrichts zu erproben. Der Start des Programms erfolgt 2012.

Harmonisierung der Maturitätsprüfung und Begabungsförderung an den Gymnasien

Die Bildungsdirektoren haben beschlossen, dass die Maturitätsprüfung an den Gymnasien künftig nach vierkantonalen Rahmenbedingungen durchgeführt werden soll. Während in der heutigen Praxis die einzelne Lehrperson für die Ausgestaltung zuständig ist, sollen künftig die schriftlichen Maturitätsprüfungen pro Schule und Fachbereich einheitlich sein. In jedem Fach wird eine vom Kanton eingesetzte externe Fachperson die Einhaltung gewisser Standards überprüfen. Die vier Kantone versprechen sich dadurch eine bessere Vergleichbarkeit der Maturitätsabschlüsse und eine höhere Legitimation von Selektionsentscheiden. Durch den Einbezug der Fachschaften an den Schulen ergeben sich wichtige Impulse für die Schul- und Unterrichtsentwicklung.

Oberstes Ziel ist es, das Vertrauen in die Qualität der Maturität zu stärken und den freien Zugang zu den Universitäten zu gewährleisten. In diesem Sinne erwarten die vier Bildungsdirektoren auch, dass es auf der gesamtschweizerischen Ebene gelingt, die für die Studierfähigkeit grundlegenden Kompetenzen zu definieren. Gleichzeitig werden die Schulen im Bereich Begabungsförderung unterstützt. Ein vierkantonales Netzwerk gewährleistet den Erfahrungsaustausch unter den Schulen und die Weiterbildung der Lehrpersonen. Modelle und Angebote, die an einzelnen Schulen bereits erprobt sind, wie etwa das Modell "Schülerstudium", werden allen Schulen zugänglich gemacht. Begabungsförderung wird so zu einem Qualitätsmerkmal der Mittelschulen im Bildungsraum.

Pionierarbeit beim Studiengang für erfahrene Berufspersonen

Innert eines halben Jahres hat der Bildungsraum, zusammen mit der PH FHNW und in Absprache mit den Kantonen Bern und Zürich, ein Studienprogramm für erfahrene Berufspersonen an der PH FHNW entwickelt. Der erste Jahrgang ist mit 165 Studierenden, die ein anforderungsreiches Auswahlverfahren bestehen mussten, im September erfolgreich gestartet. Der Andrang ist auch für die zweite Ausschreibung gross, über 550 Personen haben sich beworben. Besonders erfreulich ist, dass die Erziehungsdirektorenkonferenz diese Initiative zum Anlass genommen hat, eine gesamtschweizerische Regelung zu entwickeln. Dieses Beispiel zeigt, dass der Bildungsraum kurzfristig handlungsfähig ist und gesamtschweizerisch sein Gewicht geltend machen kann.

Neue Qualität der Zusammenarbeit durch den geplanten Bildungsbericht

Die von den vier Regierungen abgeschlossene Vereinbarung soll die vierkantonale Zusammenarbeit durch eine periodische Bildungsberichterstattung verstärken. Alle vier Jahre, erstmals 2012, soll ein Bildungsbericht die Bildungssysteme der vier Kantone datengestützt miteinander vergleichen und den Handlungsbedarf analysieren. Auf dieser wissenschaftlichen Basis wollen die vier Bildungsdirektoren das Programm des Bildungsraums aktualisieren und die Prioritäten neu gewichten. Der Auftrag für den ersten Bildungsbericht ging an Prof. Dr. Lucien Criblez vom Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Zürich. Dass sich Kantone einer Region auf diese Weise miteinander vergleichen, ist gesamtschweizerisch neu. Die Bildungsdirektoren wollen damit eine der Stärken des Föderalismus nutzen, nämlich die Möglichkeit, systematisch voneinander und miteinander zu lernen.

Wichtige Schritte zur Angleichung der Strukturen gelungen

Strukturell haben sich die vier vorher so verschiedenen Kantone dank der gesamtschweizerischen Rahmenbedingungen angenähert: In den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt ist die Struktur zwei Jahre Kindergarten, sechs Jahre Primarschule und drei Jahre Sekundarstufe I beschlossen, im Kanton Solothurn besteht sie bereits und im Kanton Aargau steht anfangs 2012 eine Volksabstimmung über diese Struktur an. Im Rahmen des vorgesehenen sprachregionalen Lehrplans 21 stimmen sich die vier Kantone inhaltlich ab; so werden gemeinsame Unterrichtshilfen entwickelt und die Auswahl der Lehrmittel koordiniert. Qualitätsentwicklungsprojekte laufen auf allen Bildungsstufen. Zum Erfolgsausweis des Bildungsraums gehört auch, dass es den vier Kantonen gelungen ist, eine Zusammenarbeitskultur mit den verschiedenen Anspruchsgruppen aufzubauen.

Mehr Gewicht für die Nordwestschweiz in Bern

Das Entstehen des Bildungsraums Nordwestschweiz wurde von den übrigen Kantonen und in den bestehenden Gremien der Erziehungsdirektorenkonferenz zunächst kaum beachtet. Seit der Bildungsraum immer wieder mit konkreten Resultaten und Vorschlägen auch auf gesamtschweizerischer Ebene in Erscheinung getreten ist, findet die vierkantonale Zusammenarbeit Beachtung und Anerkennung. Dank dem Bildungsraum haben die vier Kantone bei Bildungsthemen in Bern neu ein Gewicht, das dem zweitgrössten Wirtschaftsraum der Schweiz entspricht.

Quelle: Text ERZIEHUNGSDEPARTEMENT DES KANTONS BASEL-STADT DEPARTEMENT FÜR BILDUNG UND KULTUR DES KANTONS SOLOTHURN , Oktober 2011

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