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Hochschulreform in Europa: «Bologna»-Reform
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«Bologna»- Glossar
Akkreditierung

Die Bologna-Erklärung sieht vor, dass die Studienstruktur des Europäischen Hochschulraums im wesentlichen durch zwei Zyklen - undergraduate und graduate - gekennzeichnet sein soll. Die Akkreditierung ist ein zentrales Instrument zur Unterstützung der dazu notwendigen Veränderungsprozesse in den europäischen Hochschulsystemen. Wie die Evaluierung dient sie der Qualitätssicherung bei der Einführung neuer (ex-ante-Steuerung) und Überprüfung bereits bestehender Studiengänge (ex-post-Steuerung).

Die Akkreditierung, d.h. die Zertifizierung eines Studienganges, erfolgt nach Prüfung fachlich-inhaltlicher Mindeststandards, der Berufsrelevanz des zu vergebenden Abschlusses und der Kohärenz sowie Konsistenz der Gesamtkonzeption des Studienganges. Sie wird im Rahmen eines transparenten, formalisierten externen Begutachtungsverfahrens (peer review) befristet vergeben, so dass der Studiengang nach Ablauf einer bestimmten Zeit erneut überprüft werden muss.

Die Steuerung des Begutachtungsprozesses liegt bei Agenturen, welche ihrerseits regelmässiger externer Evaluierung unterliegen. Das Instrument der Akkreditierung zur Anerkennung von Studiengängen ist in Europa zwar noch relativ neu, setzt sich jedoch in zunehmendem Masse in den am Bologna-Prozess beteiligten Ländern durch.

Diploma Supplement

Um die Transparenz der Qualifikationen für akademische und berufliche Zwecke zu erhöhen, haben Europäische Kommission, Europarat und UNESCO gemeinsam einen Diplomzusatz entwickelt. Er beschreibt in der jeweiligen Landessprache und in Englisch Art und Inhalt des Studiengangs sowie das jeweilige Qualifikationsniveau. Zusätzlich liefert das Dokument Informationen über das Hochschulsystem des ausstellenden Landes, so dass die Qualifikation im jeweiligen Bildungskontext gesehen werden kann.

ECTS

ECTS (European Credit Transfer System) ist ein Credit-System zur Anrechnung von Studienleistungen. Es wurde von der EU-Kommission im Erasmus-Programm im Rahmen eines Pilotprojekts zur Optimierung des Auslandsstudiums von 1989/90 bis 1996/97 getestet. Das System stellt eine Methode zur Messung und zum Vergleich von Studienleistungen bereit und ermöglicht so ihre übertragung europaweit von Hochschule zu Hochschule. Transparenz der akademischen Lehrangebote wird durch die Bereitstellung von detaillierten Informationen über die jeweiligen Studiengänge und den Stellenwert der einzelnen Lehrveranstaltungen erreicht.

Mit der Einführung des Hochschulvertrags im SOKRATES/Erasmus-Programm 1997/98 können sich alle Hochschulen in Europa an ECTS beteiligen.

Wichtigste Elemente von ECTS sind das Informationpaket (information package), das Studienabkommen (learning agreement) und die Studiendaten bzw. Stammblatt (transcript of records). In jüngster Zeit wird die Möglichkeit der Nutzung von ECTS auch im Bereich der Berufsbildung diskutiert.

Europäischer Hochschulraum

Die Schaffung eines Europäischen Hochschulraumes (European Higher Education Area = EHEA) bis 2010 ist eines der wichtigsten Ziele der europäischen Bildungsminister zur Förderung der Hochschulzusammenarbeit. Inzwischen sind es 33 Länder, die im Rahmen des sog. "Bologna-Prozesses" eine grössere Kompatibilität und Vergleichbarkeit europäischer Hochschulsysteme anstreben und sich dabei auf eine Reihe von Zielen verständigt haben. Dazu gehört u.a. neben der Förderung der Mobilität von Studierenden und Lehrenden die Einführung von zweistufigen vergleichbaren Studienabschlüssen sowie die Implementierung von ECTS-kompatiblen Leistungspunktesystemen.

Europäischer Forschungsraum

Die Europäische Kommission hat auf Initiative von Forschungskommissar Philippe Busquin im Januar 2000 eine Mitteilung "Hin zu einem europäischen Forschungsraum" veröffentlicht. Zentrales Anliegen des Papiers ist die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Forschung in Europa mit Blick auf die Entwicklung zu einer wissensbasierten Wirtschaft. Es soll eine grenzüberschreitende Forschungspolitik in Europa auf der Grundlage einer besseren Zusammenarbeit zwischen Forschern in den einzelnen Mitgliedsstaaten begründet werden. Dabei sollen die Forschungsaktivitäten auf EU-Ebene und auf Ebene der Mitgliedsstaaten besser abgestimmt werden, jedoch ohne zusätzliche Bürokratie und höhere Kosten.

Das Konzept eines Europäischen Forschungsraums (European Research Area = ERA) soll die gemeinsame Nutzung wissenschaftlicher Ressourcen fördern, langfristig Arbeitsplätze schaffen sowie die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken.

EUROPASS

Der EUROPASS-Berufsbildung - auf Initiative des Europäischen Rates eingeführt - ist ein europaweit einheitliches Dokument, das zweisprachig im Ausland absolvierte Ausbildungsabschnitte bescheinigt und somit der innereuropäischen Mobilität im Bildungsbereich Rechnung trägt. Im EUROPASS-Berufsbildung werden sowohl Inhalt als auch Qualität der erworbenen Qualifikation vom jeweiligen Arbeitgeber bzw. von der jeweiligen Bildungseinrichtung dokumentiert, so dass ein Nachweis über die internationale Erfahrung sowie über die dabei erlernten Fachinhalte vorliegt. Dabei können sowohl Teile der beruflichen Ausbildung als auch im Rahmen des Hochschulstudiums geleistete Praktika berücksichtigt werden.

Evaluierung

Neben Akkreditierung ist Evaluierung die zentrale Aktivität zur Qualitätssicherung in der Hochschulbildung. Evaluiert - d.h. bewertet - werden Lehre und Studium eines Faches oder Fachbereichs sowie die jeweils zugeordneten Studiengänge. Durch Bestandsaufnahme und Analyse sollen Stärken und Schwächen der Ausbildung aufgezeigt sowie Vorschläge zur Förderung ihrer Qualität formuliert werden.

Die Evaluierung erfolgt entweder intern oder extern. Der Prozess der internen Evaluierung umfasst die systematische Erhebung von Verwaltungsdaten, die Befragung von Studierenden und Absolventen sowie moderierte Gruppengespräche mit Lehrenden und Studierenden.

Im Rahmen der externen Evaluierung besuchen Aussenstehende das Fach / den Fachbereich, um die Qualität von Studium und Lehre zu überprüfen. Bei den externen Gutachtern (peers) handelt es sich um Hochschullehrer oder Personen aus der beruflichen Praxis, die Gespräche mit Studierenden, dem wissenschaftlichen Nachwuchs sowie den Professoren führen und ein abschliessendes Gutachten vorlegen.

Der Evaluierung von Studium und Lehre muss eine Rechnungslegung folgen, welche über die Effizienz der erfolgten Qualitätssicherungsmassnahmen Auskunft gibt. Neben Studium und Lehre wird auch die Forschungsleistung evaluiert. Dies geschieht auf unterschiedlichen Ebenen: bezogen auf die nationalen Forschungssysteme, auf einzelne Einrichtungen, auf Forschungsprogramme oder einzelne Projekte. Auch in dem Bereich der Forschungsevaluation kommen Verfahren der internen und externen Evaluierung zum Einsatz.

ISIC

Die ISIC (International Student Identity Card) ist ein von der International Student Travel Confederation (ISTC) herausgegebener internationaler Studierendenausweis, der von studentischen Vertretungen und Reisebüros angeboten wird. Die ISIC wird seit 1993 von der UNESCO als einziger internationaler Studierendenausweis anerkannt. Die Inhaber können in über 90 Ländern Vergünstigungen bei Reisetickets, übernachtungen, Eintrittskarten u.ä. in Anspruch nehmen..

Lebenslanges Lernen

Das Abschlusskommuniqué der Bologna-Folgekonferenz in Prag 2001 hat das "lebensbegleitende oder lebenslange Lernen" (LLL) als ein wichtiges Element des europäischen Hochschulraums hervorgehoben. Lebenslanges Lernen impliziert eine Lernphase vom Vorschul- bis ins Rentenalter und umfasst das gesamte Spektrum vom formalen über das nicht-formale bis zum informellen Lernen. Dies bedeutet, dass Bildung und Berufsbildung in zentralen Aspekten der Bildungs-, Jugend-, Beschäftigungs- und Forschungspolitik zusammengeführt werden müssen. Ziel dabei ist, einen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen der Einzelne zwischen Lernumgebungen, Arbeitsstellen, Regionen und Ländern wählen kann, um seine Kenntnisse und Kompetenzen zu verbessern und optimal einzusetzen. Eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung des LLL ist die Entwicklung eines umfassenden Leistungsbewertungssystems, das die Beurteilung von Leistungen und Abschlüssen erlaubt, welche im Rahmen von Schule und Hochschule, aber auch in der Arbeitswelt erworben wurden.

Der Transfer von Qualifikationen zwischen dem Sektor der Schul- und Hochschulbildung und der Sphäre der Arbeitswelt könnte so gewährleistet werden. Die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung ist die unerlässliche Konsequenz von wachsendem Wettbewerb und der Nutzung neuer Technologien und gehört zu den Schlüsselstrategien, um das vom Europäischen Rat in Lissabon formulierte Ziel zu erreichen, Europa zur wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wissensgesellschaft der Welt zu machen. Die Europäische Kommission hat dem Thema im Oktober 2000 ein Memorandum gewidmet und ein Jahr später eine Mitteilung der beiden Kommissionsmitglieder Vivian Reding (Bildung und Kultur) und Anna Diamantopoulou (Beschäftigung und Soziales) veröffentlicht.

Promotionsstudium

Während zu Beginn des "Bologna-Prozesses" vor allem das Studium, insbesondere die Implementierung des zweistufigen Graduierungssystems im Vordergrund stand, sollen nun die Promotions- sowie die Postdoc-Phase stärker in die europäischen Strukturreformdebatten einbezogen werden. Bereits 1992 haben sich die Bildungsminister der EU-Mitgliedsstaaten Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich und Niederlande darauf verständigt, für eine grössere Transparenz und die Annäherung der bestehenden Systeme der Doktorandenausbildung zu sorgen.

Seit 1994 werden Doktoranden in dem HCM/TMR Forschungsprogramm der EU gezielt gefördert. Die Confederation of European Union Rectors' Conferences hat 1991 die Einführung eines "Europäischen Doktorats" als Zusatzzertifikat vorgeschlagen und spricht sich ausserdem dafür aus, dass Promovenden mindestens ein Jahr im Ausland verbringen sollen. Damit würde nicht nur die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses verbessert, sondern auch eine stärkere Vernetzung der Universitäten und Forschungseinrichtungen in Europa gewährleistet werden.

Art und Qualität der Doktorandenausbildung in Europa war auch ein Schwerpunkt der halbjährlichen Beratungen der Generaldirektoren für Hochschulbildung der EU-Mitgliedsstaaten unter schwedischer Präsidentschaft in Halmstad (Mai 2001) und unter spanischer Präsidentschaft in Cordoba (April 2002). Die EU-Kommission hat einen Bericht über die Mobilität von Doktoranden im Rahmen des Socrates/Erasmus-Programms vorgelegt (sog. Mitchell-Report).

Qualitätssicherung

Ein zentrales Ziel des "Bologna-Prozesses" ist die Definition und Einhaltung europaweit geltender Qualitätsstandards in der Hochschulbildung. Voraussetzung ist die Erarbeitung vergleichbarer Methoden und Kriterien zur Bewertung der Qualität von Forschung und Lehre. Der Europäische Rat hat 1998 eine verstärkte europäische Zusammenarbeit in diesem Bereich empfohlen. Als Antwort auf diese Ratsinitiative und auf die Zielsetzungen der Bologna-Erklärung ist das Europäische Netzwerk zur Qualitätssicherung in der Hochschulbildung (The European Network for Quality Assurance in Higher Education, ENQA) ins Leben gerufen worden, das seit 1999 Informationen über bewährte Praxiserfahrungen sowie neueste Ansätze und Diskussionen im Bereich von Qualitätsbewertung und -sicherung bereitstellt.

In der Reihe der sog. Bologna-Seminare wurden in Amsterdam ("The European Dimension of Quality Assurance") erste Ergebnisse der Debatte um europäische Qualitätsstandards zur Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen präsentiert.

Das Pilotprojekt "Tuning: Abstimmung der Bildungsstrukturen in Europa", das auf eine universitäre Initiative zurückgeht und an dem 70 europäische Universitäten beteiligt sind, hat für ein Spektrum von sieben Fächern (Betriebswirtschaft, Erziehungswissenschaften, Geologie, Geschichte, Mathematik, Chemie und Physik) Referenzkriterien für den Vergleich von Abschlussstrukturen und Lehransätzen vorgelegt. Instrumente zur Umsetzung und Einhaltung von Qualitätsstandards sind die Akkreditierung und die Evaluierung, die in den einzelnen Ländern von Evaluations- und/oder Akkreditierungsagenturen durchgeführt werden.

Quelle: Europa EU www.europa.eu.int
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