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Mai 2019
Lehrpersonen leisten viel unbezahlte Überzeit

Aus Sicht des LCH gibt es eine gute Neuigkeit im Zusammenhang mit der neuen Arbeitszeiterhebung 2019: Die Lehrpersonen leisten weniger Überzeit als 2009. Aber die durchschnittliche Arbeitszeit von Vollzeit-Lehrpersonen beläuft sich stufenübergreifend noch immer auf 45,9 Stunden in regulären Schulwochen, also Schulwochen mit Unterricht, 37,2 Stunden während Schulwochen mit Feiertagen und 11,1 Stunden während unterrichtsfreien Wochen.

Die durchschnittlich 13 unterrichtsfreien Wochen, die im Volksmund gerne als «Ferien»bezeichnet werden, teilen sich auf in 5,3 Wochen wirkliche Ferien ohne berufliche Tätigkeit und 7,7 Wochen mit durchschnittlich 18,8 Arbeitsstunden, in denen ein Teil der Überzeit aus den Unterrichtswochen kompensiert wird. Zudem ist festzuhalten, dass es zwischen den Stufen nur geringfügige Unterschiede gibt. Somit werden auf der Kindergartenstufe ähnlich hohe Arbeitszeiten ausgewiesen wie auf anderen Stufen.

Wie die Ergebnisse der Arbeitszeiterhebung zeigen, wird die Referenzarbeitszeit deutlich überschritten. Die Jahresarbeitszeit für ein Vollzeitäquivalent liegt je nach Stufe zwischen 2086 und 2'222 Stunden. Anders ausgedrückt: Lehrpersonen leisten je nach Stufe regelmässig zwischen 8,6 und 16,0 ProzentÜberzeit ohne Kompensationsmöglichkeit, das heisst unbezahlt - eine Situation, die in der Regel nur in typischen Kaderfunktionen vorkommt.Die verfügbaren zeitlichen Ressourcen und die Anforderungen im Lehrberuf stehen in der Deutschschweiz nach wie vor in keinem ausbalancierten Verhältnis. Die zeitliche Belastung ist immer noch zu hoch.

Besonders zu spüren bekommen dieses Ungleichgewicht die Teilzeitlehrpersonen: Sie leisten umso mehrÜber-stunden, je kleiner ihr Pensum ist. Lehrpersonen mit einem Pensum von weniger als 50Prozentleisten durchschnittlich 22 Prozent Überzeit - das ist viel zu viel. Schuld daran ist einerseits, dass sich gewisse Aufgaben nicht 1:1 an das Arbeitspensum angleichen lassen, wie zum Beispiel Teamsitzungen, Weiterbildungen und gemeinschaftliche Schulanlässe. Andererseits fallen auch die Absprachen für den Unterricht unverhältnismässig hoch aus. Besonders stark ins Gewicht fällt jedoch, dass Lehrpersonen umso mehr Zeit in die Planung, Auswertung sowie kurzfristige Vor-und Nachbereitung ihres Unterrichts investieren, je kleiner ihr Arbeitspensum ist. Lehrpersonen mit weniger als 50 Stellenprozenten füllen ihre Soll-Arbeitszeit bereits mit den unterrichtsbezogenen Aufgaben aus. Wir machen bei diesem Befund Bekanntschaft mit einem alten Phänomen: Die Zeit, um den Unterricht seriös und qualitativ gut vorzubereiten, reicht mit dem jetzigen Berufsauftrag schlicht nicht aus.Deshalb braucht es eine Senkung der Lektionenzahl. Erst wenn Lehrpersonen ihr Pensum reduzieren, können sie ihren Ansprüchen an qualitativ guten Unterricht gerecht werden, in dem sie mehr Zeit für die Vor-und Nachbereitung des Unterrichts verwenden.Das 100%-Pensum ist unter den heutigen Rahmenbedingungen kaum zu leisten. Aus einer weiteren Studie aus dem Jahr 2016 «Lehrpersonen und die individuelle Gestaltung ihres Arbeitspensums» (Brägger 2016), wissen wir: Rund jede 5. Lehrperson reduziert ihr Arbeitspensum aufgrund der lehrberuflichen Belastung.

Die Arbeitszeit ist dabei aber nur ein Aspekt von Belastung.

Die Arbeitszeiterhebung 2019 zeigt nämlich auch, dass die Anforderungen im Unterricht selbst seit 2009 weiter gestiegen sind, was im Hinblick auf die Schwerpunkte der Schulentwicklung in den letzten zehn Jahren integrative Schulung, Chancengerechtigkeit, Harmonisierung, Kompetenzorientierung, Digitalisierung nicht überrascht. Dies zeigt sich dann auch sehr gut in dieser Grafik zu den Quellen von Belastung und Entlastung. In den letzten zehn Jahren ist die Belastung der Lehrpersonen durch die Delegation von Erziehungsaufgaben an die Schule, durch die Heterogenität der Klassen, durch die integrative schulische Förderung und durch die Integration von ICT in den Schulunterricht deutlich gestiegen. Als Entlastung werden gegenüber 2009 die Einführung von Schulleitungen sowie die Einführung der Schulsozialarbeit empfunden. Aufgrund der vorliegenden Studie gibt es Handlungsbedarf:

1. Keine unbezahlte Überzeit!In einer so anspruchsvollen und anforderungsreichen Arbeit muss der Auftrag durch die Lehrpersonen leistbar sein. Die unbezahlte Überzeit muss verschwinden.

2. Eine Senkung der Pflichtlektionenzahl für die Lehrpersonen! Die zu unterrichtende Anzahl Lektionen ist deutlich zu hoch, um die Arbeit qualitativ gut und zum Wohle der Kinder zu erledigen. Die Lehrpersonen brauchen eine Senkung der Pflichtlektionen.

3. Mehr Ressourcen für die Klassenleitung! Es gibt deutliche Unterschiede zwischen denAufgaben der Klassenlehrpersonen und jenen der Fachlehrpersonen. Wer eine Klasse führt und damit auch viel Elternarbeit sowie Koordinations-und Führungsaufgaben übernimmt, muss zeitlich entsprechend ressourciert sein. Der LCH fordert erneut zwei Jahreslektionen für die Klassenleitung.

4. Mehr Zeit für Elternarbeit! Der Kontakt mit den Eltern findet zum Wohle des Kindes und seines Lernerfolgs statt.Das braucht Zeit. Diese ist nicht in genügendem Umfang vorhanden. Eine vollständig absurde Situation haben wir übrigens zum Teil auf der Kindergartenstufe: Für die Elternarbeit ist null Zeit im Berufsauftrag vorgesehen. Gerade bei jüngeren Schülerinnen und Schülern braucht die Zusammenarbeit mit den Eltern aber genügend Zeit. Zum Wohle der Kinder ist die Elternarbeit auf allen Stufen angemessen zu ressourcieren.

Quelle: Text Franziska Peterhans, Zentralsekretärin LCH , 8. Mai 2019
LCH-Arbeitszeiterhebung 2019 - AZE'19 2019

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