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Schweizer Gletscher: Sommerwärme lässt Gletschereis abschmelzen 2017
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Gletscherschwund in den Schweizer Alpen
2017: Sommerwärme lässt Gletschereis abschmelzen

Warmer Sommer 2017 lässt die Gletscher merklich abschmelzen

Die Schweiz registrierte nach dem drittwärmsten Frühling auch den drittwärmsten Sommer seit Messbeginn im Jahr 1864. Im landesweiten Mittel stieg die Sommertemperatur 1,9 Grad über die Norm 1981-2010. Heisser waren bisher nur der Sommer 2015 mit 2,3 Grad und der legendäre Hitzesommer 2003 mit 3,6 Grad über der Norm.

Der Juni 2017 als zweitwärmster seit Messbeginn stieg landesweit gemittelt 3,3 Grad über die Norm. Der Monat zeichnete sich durch anhaltend hohe Temperaturen und eine fünftägige Hitzewelle in der zweiten Monatshälfte aus. Der Juli hingegen zeigte sich wenig sommerlich: Vorherrschend war wechselhaftes Wetter durchsetzt mit häufigen und lokal ungewöhnlich kräftigen Schauern und Gewittern.

Für den August 2017 zeichnet sich im landesweiten Mittel ein Temperaturüberschuss von 1,7 bis 1,8 Grad im Vergleich zur Norm 1981-2010 ab. In vielen Gebieten war es einer den zehn heissesten Augustmonate in den über 150-jährigen Aufzeichnungen. Zusammen mit dem extrem heissen Juni 2017 blickt die Schweiz auf den drittwärmsten Sommer seit Messbeginn zurück.

Am 1. und 2. August 2017 lag über der Schweiz feuchtheisse subtropische Luft. Im Mittelland stiegen die Tageshöchstwerte verbreitet auf 30 bis 32 Grad, im Genferseegebiet, im Wallis, auf der Alpensüdseite sowie im Churer- und St. Galler Rheintal auf 33 bis 36 Grad. Mit anhaltender Zufuhr heisser Luft aus Südwesten blieb es bis am 5. August 2017 sommerlich heiss. Die Nullgradgrenze stieg auf 4'500 m. Die Wärme blieb auch nachts erhalten. Einige Messstandorte registrierten die höchste August-Minimumtemperatur seit Messbeginn vor mehr als 100 Jahren: In Lugano sank die Temperatur am 5. August nicht unter 23,5 Grad, in Neuchâtel am 4. August 2017 nicht unter 23 Grad.

Zum Schutz der Gletschergrotte wird die Gletscheroberfläche beim Titlisgletscher zum Schutz der Eisgrotte im Gletscherinnern mit Abdeckvliesen bedeckt. Zum Schutz Gletschergrotte im Rhonegletscher wird dieselbe Massnahme ergriffen.

In der zweiten Augusthälfte bestimmten Hochdruckgebieten das Wetter in der Schweiz. Die Tageshöchstwerte bewegten sich zwischen 25 und 32 Grad. Eine Kaltfront beendete am 31. August 2017 die Schönwetterphase und eine Kaltfront brachte ein Abkühlung um 16°C begleitet von intensiven Regenfälle. An einigen Orten in der Schweiz fielen in zwei Tagen so viel Niederschlag, wie sie üblicherweise im ganzen Monat September niedergehen . Die Schneefallgrenze sank je nach Bergregion auf 1'600 - 2'000 m ü.M.

Das warme Frühlings- und Sommerwetter hat den Gletschern in der Schweiz arg zugesetzt. Bereits im Frühsommer waren die grosse Teile Gletscherflächen schneefrei. Ende August 2017 lag nur in Gletschergebieten über 3'000 m ü. M. eine geschlossene Altschnee auf dem Gletschereis. Die Gletscher litten sichtbar unter der ausserordentlichen Warme. Die Gletscherbäche tosten gut gefüllt aus den Gletschertoren. Beim See bei Gletscherzunge des Rhonegletschers schwammen bereits im Juli 2017 keine Eisberge mehr. Ende September 2016 waren dagegen immer noch einige kleine Gletschereisschiffchen auf den See unterwegs.

Quelle: MeteoSchweiz, Auszug aus «Heisser August und heisser Sommer» vom 30. August 2017 (Ergänzungen: RAOnline)
2017: Sommerwärme lässt Gletschereis abschmelzen
Steingletscher
Titlisgletscher

Durch durch den Klimawandel bewirkten höheren Temperaturen haben in den Bergebieten die Permfrostböden aufgeweicht. Die Bergflanken in den Permafrostzonen werden daher zunehmend instabil. Der Steinschlag nimmt zu und die Bergstürze, Felsstürze und Erdrutsche werden häufiger. Immer mehr Lockermaterial fällt auf die Gletscher und verstärkt so die Moränen des Gletschers. Felsabbrüche und Erdrutsche decken an den Rändern des Gletschers die Eismassen zu. Der Moränenschutt verringert die Albedo auf der Gletscheroberfläche.

Kurzfristig wird das unter dem Schutt liegende Gletscher eis vor den Sonnenstrahlen und somit vor einem raschen Abschmelzen geschützt. Nach dem Rückzug des Gletschers bleiben grosse, von Moränenschutt bedeckte Eismassen im Vorfeld des Gletschers als Toteis liegen.

Die beschriebenen Vorgänge lassen sich beim Steingletscher gut beobachten. Der Gletscher verfügte 2012 noch über grosse Toteismassen. Die Gletscherzunge hat sich allerdings im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhundert mit zunehmender Geschwindigkeit zurückgebildet. In der Gletscherzunge hat sich soviel Lockermaterial angesammelt, dass das Eis grau erscheint. Vor allem in den schneearmen Sommermonaten hat sich die Albedo markant verringert. Das graue Eis nimmt viel mehr Wärme auf als das weisse Eis. Das Abschmelzen der Gletscherzunge hat sich auch aus diesem Grund sehr rasch zurückgebildet.

Quelle: RAOnline
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Titlisgletscher Schmelzprozesse im Sommer 2017

Staub lässt Gletscher schneller schmelzen

Die durch Staubeintrag seit 2003 eingetretene massive Reduktion der Albedo an den Oberflächen der Alpengletscher (Paul et al., 2005; Oerlemans et al., 2009) dürfte nachhaltig sein und die Energiebilanz gegenüber Bedingungen der zurück liegenden "Kalibrierungszeit" vor 2003 für viele Jahre wenn nicht Jahrzehnte stark verändern. Die neuen Seen selber können infolge ihrer niedrigen Albedo und ihrer Fähigkeit zur Erwärmung über 0° C durch effiziente Zirkulationsprozesse und Kalbungsvorgänge am Eisrand die Schwundprozesse drastisch beschleunigen (Funk & Röthlisberger, 1989; Kääb & Haeberli, 2001). Wenn der Dickenschwund der Gletscher schneller ist als die Längenänderung durch den Rückzug der Zunge, verstärken sich subglaziale Schmelzprozesse durch Kavernenbildung und Eindringen von Warmluft im Sommer, was zu beschleunigendem Einsinken der Oberfläche und zu Kollapserscheinungen des Eises führen kann.

Quelle: Neue Seen als Folge der Entgletscherung im Hochgebirge Forschungsbericht NFP 61, Projekt NELAK, 2011
Neue Seen als Folge der Entgletscherung im Hochgebirge

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