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Somalia - Das Land am Horn von Afrika

Somalia verfügt über die längste Küstenlinie auf dem afrikanischen Kontinent. Somalia ist mit Bergen, tropischem Regenwald, halbaridem Grasland und bewässertem Ackerland durchsetzt. Auf der grössten Landfläche dehnt sich allerdings ein tiefliegendes, arides bzw. semiarides Buschland aus. Dieses Buschland eignet sich nur für eine Transhumanz. Nomaden durchstreifen dieses trockene Buschland mit ihren Viehherden.

Das Wetter in Somalia wird von zwei Regenzeiten bestimmt. Die Hauptregenzeit «Gu» findet normalerweise von April bis Juni statt. In der Regenzeit «Deyr» in den Monaten Oktober und November fallen die Niederschläge unregelmässig.An den südlichen Küstenabschnitten fallen im Durchschnitt etwa 600 mm Regen im Jahr. In Puntland, an der Nordostecke des Landes, fallen weniger als 100 mm Regen pro Jahr. In Somalia wechseln sich Dürren und Überschwemmungen in unregelmässiger Folge ab. In Somalia sind die Auswirkungen der beiden Wetterphänomene «El Niño»und «La Niña» besonders stark spürbar.

Somalia wurde 1960 unabhängig. Die wohlhabendsten Regionen des Landes entlang dem Golf von Aden haben sich teilweise von der Zentralregierung in Mogadischu losgesagt. Somaliland sieht sich in einer selbst erklärten Unabhängigkeit. Die internationale Staatengemeinschaft hat diesen Staat niemals anerkannt. Puntland beansprucht für sich eine Teilautonomie. Zwischen Somaliland und Puntland kommt es aber immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen.

Nach 21 Jahren Militärdiktatur erklärte sich Somaliland am 18. Mai 1991 nach einem 3 Jahre dauernden blutigen Sezessionskrieg als unabhängig.

Südsomalia verfügt über die besten geografischen Bedingungen von ganz Somalia. Vor allem die Flusstäler Juba und Shabelle erhalten genügend Regenfälle, damit ein Ackerbau ohne Bewässerung möglich ist. Über Südsomalia wickelt sich auch der Handel mit dem Nachbarland Kenia ab. Die Region leidet allerdings besonders stark unter den Angriffen islamistischer Milizen.

Somaliland

2016 wurde die Einwohnerzahl von Somalia auf 12,3 Millionen geschätzt. Die Bevölkerung wuchs in den letzten Jahren nach Angaben der Weltbank durchschnittlich um 2,9%.

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Die demografische Entwicklung von Somalia zeichnet sich durch eine hohe Geburtenzahl, eine hohe Sterblichkeitsrate bei Kindern und gebärenden Frauen aus. Die Geburtenrate war 2015 mit 6,6 Geburten pro Frau der weltweit dritthöchste Wert. Gleichzeitig ist die Sterblichkeitsrate von gebärenden Frauen mit 732 Todesfällen bei 100'000 Lebensgeburten ausserordentlich hoch. Die demografische Entwicklung unterscheidet sich in den verschiedenen Landesteilen wenig. 42% der Bevölkerung lebt in städtischen Gebieten. 26% der Somalis sind als Nomaden unterwegs und betreiben eine Weidewirtschaft mit Viehzucht. 23% der Menschen verdienen ihren Lebensunterhalt mit Ackerbau oder einer Wirtschaftsform, welche zwischen Ackerbau und Weidewirtschaft wechselt. 9% der Bevölkerung befindet sich auf der Flucht und lebt in Flüchtlingslagern. 45,6% der Bevölkerung Somalias ist unter 15 Jahre alt. 75% haben ein Alter von weniger als 30 Jahren.

Clans in Somalia - Stammesbewusstsein mit weitereichenden Folgen

In Somalia ist das Clanbewusstsein in der Bevölkerung stark ausgeprägt. Zwischen den einzelnen Landesteilen gibt es bei dieser Einstellung kaum Unterschiede. Die Zugehörigkeit zu einem bestimmen Stammesverband wird bei der Geburt durch die väterliche Abstammung bestimmt. Die Identitätsmerkmale einer Clangruppe sind nicht „in Stein gemeisselt“. Je nach Situation werden die spezifischen Merkmale des Haupt- oder Unterclans unterschiedlich gewichtet. Die vier grössten Clanfamilien - die Dir, die Darood, die Hawiye und die Digil-Mirifle - unterteilen sich zahlreiche Unterclans. Die Unterclans unterscheiden sich stark in der Zahl ihrer Mitglieder und geniessen unterschiedliches Ansehen in der Gesellschaft. Mitglieder von Clans, welche ein hohes Ansehen verbunden mit Macht geniessen, können sich auf die Unterstützungen der anderen Clanangehörigen verlassen. Mitglieder von Unterclans, welche u.a. mit unerwünschten Tätigkeiten in Verbindung gebracht werden, haben ein geringeres Ansehen und geniessen weniger Wertschätzung.

Politische Führer berufen sich bei ihren Machtansprüchen auf ihre Clanzugehörigkeit. Sie nutzen dabei ihre Clanidentität und beuten andere Clanmitglieder aus.

Ein besonders mühevolles Leben fristen Menschen in Somalia, welche aus dem Clanschema gefallen sind. Sie werden zwar politische als Bürger des Landes anerkannt, ethnisch jedoch als Ausländer betrachtet. Zu diesen «Zweitklassbürgern» gehören die zahlenmässig nicht unbedeutenden Volksgruppen der Benadiri, Bajuni und Barawans, welche sich entlang der südlichen Küstenabschnitten niedergelassen haben.

Unterschiedliche Entwicklung in den städtischen und ländlichen Regionen

Die Versorgungslage und die Lebensqualität ist in den städtischen Gebieten trotz der grossen Armut und den vielen Slums wesentlich besser als in den ländlichen Gebieten. Die urbane Wirtschaft ist wesentlich weniger anfällig auf negative Einflüsse durch politische und klimatische Ereignisse. In den Städten und ihren Agglomerationen ist der Zugang zum Gesundheitswesen und zu Bildungsinstitutionen viel besser als in den ländlichen Regionen. Die urbanen Zonen leben auch von der Unterstützungen durch die internationale Staatengemeinschaft, durch Hilfsorganisationen und die Gelder, welche von Somalis aus dem Ausland ins Land fliessen. In den Städten finden die Menschen auch eher eine Arbeitsstelle. Die staatliche Infrastruktur konzentriert sich auf die urbanen Gebiet. Der Staat bietet auch viele Arbeitsplätze an. In den Städten beträgt die Arbeitslosigkeit zwischen 60 und 80%.Die Geldmittel und der Einfluss der Bundesregierung sind in Somalia äusserst beschränkt. Ausserdem hemmt die weit verbreitete Korruption die politische wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die 2012 installierte Bundesregierung hat weiterhin keine Kontrolle über weite Gebiet in Zentral- und Südsomalia. Den AMISOM-Schutztruppen ist es bisher gelungen, die islamistischen Milizen aus den meisten Städten zu vertreiben.

Nicht alle Unruhen, Gewaltausbrüche und blutigen Überfälle in Somalia können den Aktivitäten der islamistischen Al-Shabaab-Milizen zugeschrieben werden. Lokalen Animositäten, politische Rivalitäten, der Kampf um Rohstoffquellen und Rachemorde führen oft zu blutigen Zusammenstössen. Von der Unsicherheit und den staatlichen Fehlern profitieren wieder gewisse Interessensgemeinschaften und Führer im Land. Einige dieser Konfliktparteien schüren aktiv die chronisch rechtlich unsichere Lage und unterstützen den bewaffneten Kampf gegen andere Gruppierungen, welche die deren Machtansprüche und Einflusssphären gefährden.

In weiten Teilen von Somalia herrscht kein Krieg. Aber auch in diesen Gebieten leben die Menschen einen Alltag, welcher von Unsicherheit geprägt ist. Lokale Milizen erpressen die Bevölkerung. Kriminelle rauben den Bewohnern ihr Hab und Gut. Entführungen und Vergewaltigungen verbreiten ein Gefühl der Unsicherheit. Einige lokale Akteure nützen die herrschende Unsicherheit für ihre profitablen Geschäfte. Sicherheitsfirmen und lokale Milizen schaffen Arbeitsplätze für junge Leute. Die Drahtzieher dieser Geschäfte bleiben im Hingtergrund und geniessen dort ihr Leben im Wohlstand.

Puntland und Somaliland

Puntland und Somaliland liegen an der Nordküste in ariden bis semiariden Klimazonen. Das trockene Land kann nur Nomaden bewirtschaftet werden. Somaliland hat sich 1991 von Somalia gelöst und betrachtet sich seither als unabhängig. Die internationale Staatengemeinschaft und auch die UNO ignorieren diese Tatsache und sehen Somaliland weiterhin als ein Teil von Somalia. Abgesehen von Benadir-Region mit der Hauptstadt Mogadischu ist in Somaliland und Puntland die Verstädterung am stärkstenvorangeschritten. Somaliland und Puntland profitieren beiden von ihrer bevorzugten geografischen Lage am Golf von Aden und den Ölvorkommen. Die Stadt Hargeisa in Somaliland wächst stark. In Hargeisa werden die Waren aus den Staaten am Arabischen Golf mit dem Ziel Äthiopien zwischengelagert. Die Waren gelangen u.a. über den Hafen Berbera ins Hinterland. Der Regierung von Somaliland ist es gelungen, auf ihrem Staatsgebiet eine sicheres und durch Gesetze geregeltes Leben zu schaffen. In einem sicheren Umfeld konnte sich in den urbanen Zonen der Handel und das Gewerbe gut entwickeln. Im ländlichen Gebiet und in den politisch umstrittenen Landstrichen an der Grenze zu Puntland sind die Massnahmen der Regierung von Somaliland weniger wirkungsvoll. Ausserdem arbeiten nicht alle Ministerien gleich zielgerichtet und erfolgreich. Die von der UNO, den internationalen Hilfsorganisationen und den lokalen NGOs unterstützten Ministerien, welche soziale Bereiche abdecken, arbeiten wirkungsvoller. Die Regierung ermöglicht allen Kindern eine kostenfreie Primarschulausbildung. Der direkte Regierungseinfluss auf andere Gesellschafts- und Wirtschaftsbereiche von Somaliland ist weniger ausgeprägt.

Trotz der wirtschaftliche positiven Entwicklung ist die Arbeitslosigkeit ist in den städtischen Gebieten Somalilands mit 70% relativ hoch. Der Arbeitsmarkt verfügt einerseits über viele eingewanderte Äthiopier, welche bereit sind für 1-2 USD pro Tag zu arbeiten. Andererseits haben die Geldüberweisungen ihrer Verwandten in der Diaspora viele urbane Somalis offenbar darart verwöhnt, dass nicht mehr bereits sind, für wenig Lohn eine harte Arbeit zu verrichten.

Eine ähnliche Entwicklung wie in Somaliland ist auch in Puntland zu beobachten. Die Regierung des halbautonomen Teilstaates von Somalia konnte in den vergangenen Jahren meistens ein sicheres Umfeld für eine gute wirtschaftliche Entwicklung gewähren. Von Zeit zu Zeit flackern allerdings in einigen Regionen immer wieder Unruhen mit Gewaltausbrüchen auf. Streiks u.a. wegen nicht ausbezahlter Löhne für Zivilangestellte und Mitglieder der Sicherheitskräfte haben das öffentliche Leben auch schon lahmgelegt. Die Regierung von Puntland bemüht sich, in allen Distrikten ein Grundangebot für die Gesundheitsversorgung sowie die Bildung einzurichten und in Betrieb zu halten. In einigen Distrikten waren die Massnahmen erfolgreich, in anderen weniger. Wie in Somaliland profitieren auch in Puntland die ländlichen Gebiete nicht von einer positiven Entwicklung.

Schwieriges Leben für Kinder und ihre Mütter in Somalia

- Ein Kind von 7 Kindern in Somalia stirbt vor seinem 5 Altersjahr.

- Rund 300'000 Kinder unter dem 5. Altersjahr waren 2016 akut unterernährt.

- Alle 3 Stunden stirbt in Somalia eine Frau an den Komplikationen, welche als Folge einer Geburt aufgetreten sind.

- 98% aller Frauen in Somalia sind die Genitalien verstümmelt. In keinem Land auf der Erde ist der Anteil der Genitalverstümmelungen so hoch wie in Somalia. Entgegen der Meinung von vielen Frauen in Somalia sind diese grausamen Praktiken nicht in der islamischen Lehre festgelegt. Diese falsche Ansicht der Mehrheit der einheimischen Frauen wurde mehrmals durch die Äusserungen von islamischen Gelehrten widerlegt. Die Genitalverstümmelungen entspringen keiner religösen Vorschrift. Sie werden auch von andersgläubigen Volksgruppen in Afrika praktiziert.

- Mehr als die Hälfte der Kinder im schulfähigen Alter besucht in Somalia keine Schule. Der Anteil, der Mädchen, welche eine Schule besuchen, ist viel geringer als jener der Knaben.

- Etwa die Hälfte der Kinder zwischen dem 5. und dem 14. Altersjahr sind mit Kinderarbeit beschäftigt.

- Viele Kinder werden für die bewaffneten Kräfte wie die Al-Shabaab, die nationale Armee oder die lokalen Milizen rekrutiert. Einige Eltern betrachten den Wehrsold der Kindersoldaten als willkommene Einkommensquelle.

- Etwa 1% der Kinder in Somalia sind Waisen.

Die Aussichten der Kinder in Somalia auf eine lebenswerte Zukunft sind wenig ermutigend. Ein besonders hartes, entbehrungsreiches Leben führen Kinder in der nomadisierenden Landbevölkerung, in den Flüchtlingslagern und der Volksgruppen und Clans, welche in Somalia eine Minderheit darstellen.

Quelle: «Situation Analysis of Children in Somalia 2016», UNICEF, August 2016
Text: RAOnline
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