Natur und Umwelt
Tropischer Regenwald
vorangehende Seite
ENDE
Tropischer Regenwald Tierwelt
Forschung
Berggorillas: Es kommt nicht nur auf die Grösse an Neue Erkenntnisse zu weiblichen Gorillas stellen männliche Machtstrukturen infrage
2025
Tropische Zone Weitere Informationen
Tropischer Regenwald Klima
Tropischer Regenwald Orang Utans
Bürgerkrieg am Kiwusee
Primaten - Menschenaffen - Affen
Weitere Informationen
Naturwissenschaften Geografie-Erdkunde Klima
Tropischer Regenwald: Tierwelt
Berggorillas: Es kommt nicht nur auf die Grösse an

Neue Erkenntnisse zu weiblichen Gorillas stellen männliche Machtstrukturen infrage

● Machtverhältnisse zwischen weiblichen und männlichen Gorillas:

Diese sind weniger streng männlich geprägt als bisher angenommen. So können Weibchen trotz der extremen Grössen-und Kraftunterschiede Männchen überlegen sein.

● Traditionelle Geschlechterrollen neu betrachtet:

Sind Weibchen Männchen überlegen, haben sie Vorrang beim Zugang zu Nahrung. Dies stellt eine gängige Vorstellung infrage, nach der Weibchen und
Männchen um unterschiedliche Ressourcen konkurrieren- Weibchen um Nahrung und Männchen um.

Die Entdeckung, dass Weibchen bei Tüpfelhyänen und einigen Lemurenarten Macht über Männchen haben, hat bereits vor über 50 Jahren die Annahme infrage gestellt, dass männliche Säugetiere universell über eine soziale Macht gegenüber ihren weiblichen Artgenossen verfügen. Zahlreiche Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass diese Arten keine Ausnahmen sind, sondern die gesamte Bandbreite der Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern abbilden, die von strikter männlicher Dominanz bis zu strikter weiblicher Dominanz reicht. Eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der University of Turku erweitert diese Erkenntnisse. Demnach sind die Machtverhältnisse zwischen weiblichen und männlichen Gorillas nicht so stark männlich dominiert wie bisher angenommen.

"Da männliche und weibliche Gorillas deutliche geschlechtsspezifische Asymmetrien in Bezug auf ihre Körpergrösse und die Grösse ihrer Eckzähne aufweisen und als die Menschenaffenart gelten, bei der Männchen Weibchen am stärksten dominieren, wollten wir die Machtverhältnisse zwischen ihnen untersuchen. Gleichzeitig wussten wir, dass sich weibliche Gorillas aussuchen, mit welchen Männchen sie sich fortpflanzen. Diese Eigenschaft wird mit einer erhöhten Macht der Weibchen bei Primaten in Verbindung gebracht, was durch eine vor wenigen Wochen veröffentlichte Studie bestätigt wurde", sagt Erstautor Nikos Smit, Postdoc an beiden beteiligten Einrichtungen.

Traditionelle Geschlechter-Machtverhältnisse neu betrachtet

Diese neue Studie basiert auf Verhaltensbeobachtungen von vier sozialen Gruppen freilebender Berggorillas über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten. Die Forschenden konnten zeigen, dass fast alle Weibchen, die in Gruppen mit mehreren Männchen leben, mindestens einem Männchen überlegen sind. Obwohl sie nur halb so viel wiegen wie Männchen, gewinnen Weibchen jeden vierten Konflikt und übertrumpfen jedes vierte Nicht-Alpha-Männchen. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass Alpha-Männchen Weibchen dabei unterstützen, andere Männchen zu dominieren. Zudem könnten Nicht-Alpha-Männchen in Konkurrenzsituationen bereit sein, sich einem Weibchen zu beugen, um in der Gruppe zu verbleiben. Ausserdem haben weibliche Gorillas gegenüber den von ihnen dominierten Männchen Vorrang beim Zugang zu bestimmten Nahrungsressourcen. Dies widerlegt traditionelle Vorstellungen, nach denen Weibchen und Männchen um unterschiedliche Ressourcen konkurrieren: Weibchen um Nahrung und Männchen um Weibchen.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Gorilla-Weibchen in der Rangordnung mit grösserer Wahrscheinlichkeit jüngere und ältere Männchen übertrumpfen, obwohl diese immer noch deutlich grösser sind als erwachsene Weibchen. Neben Körpergrösse und Stärke scheinen also noch andere Faktoren die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern zu beeinflussen", sagt Martha Robbins, die das Langzeitforschungsprojekt zu Berggorillas im Bwindi-Nationalpark leitet, auf dessen Daten diese Studie basiert.

Patriarchat beim Menschen - ein kulturelles Konstrukt, kein Erbe der Primaten

Ein besseres Verständnis der Beziehungen zwischen Weibchen und Männchen bei Gorillas, den Menschenaffen mit der stärksten Geschlechtsdimorphie, hat auch Auswirkungen auf die Interpretation vergleichbarer Strukturen beim Menschen und anderen Arten. Die aktuelle Studie erweitert die Bandbreite der bei Menschenaffen beobachteten Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern, die von weiblicher Dominanz bei Bonobos bis zu männlicher Dominanz bei Schimpansen reichen. Sie trägt zu einem neuen Blick auf ökologische und evolutionäre Aspekte der Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern bei, die nicht allein von Grösse und Stärke geprägt sind. Damit wird die Annahme infrage gestellt, dass das Patriarchat ein Erbe der Primaten sei.

Originalverö!entlichung

Nikolaos Smit, Martha M. Robbins
Female mountain gorillas can outrank non-alpha males Current Biology, 7 August 2025, DOI: 10.1016/j.cub.2025.07.006

Quelle: Text SJ/LH, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie , 7. August 2025
Menschenaffen Primaten
Primatenfleisch (Buschfleisch)

nach oben

Bürgerkrieg am Kiwusee
Bolivien Bessere Auslastung von Viehweiden
Nyiragongo Vulkan in der DR Kongo
Klima und Wetter
RAOnline: Weitere Informationen über Länder
Bilder Videos Länder-Informationen Karten Klima
Links
Externe Links
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
Dian Fossey Gorilla Fund
Informationen in englischer Sprache
Internationale Organisationen bedienen sich vor allem der englischen Sprache. Auch für Nichtenglischsprechende bieten diese Webseiten eine Fülle von Bildinformationen.
United Nations Environment Programme
UNEP World Conservation Monitoring Centre
International Union for Conservation of Nature and Natural Resources
World Conservation Union IUCN
Nature and Natural Resources
ARKive
RAOnline EDU: Tropische Zone Startseite
Oben
vorangehende Seite