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Flaschenpost der Deutschen Seewarte nach 132 Jahren in Australien entdeckt 2018
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Flaschenpost nach 132 Jahren in Australien entdeckt

Am 21. Januar 2018 entdeckte das australische Paar Tonya und Kym Illman am Strand von Wedge Island, rund 180 Kilometer nördlich von Perth, Australien, eine Flaschenpost der Deutschen Seewarte. Bislang gab es keinen längeren Zeitraum zwischen der Übergabe einer wissenschaftlichen Flaschenpost an das Meer und deren Auffinden.

Die Flaschenpost war vor 132 Jahren am 12. Juni 1886 von der deutschen Bark PAULA, einem Hochseefrachtschiff, rund 900 Seemeilen vor der australischen Küste zur Erkundung von Meeresströmungen dem südindischen Ozean übergeben worden.

Den Fund gaben das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und der Deutsche Wetterdienst (DWD) anlässlich eines Senatsempfangs der Freien und Hansestadt Hamburg zu Ehren der Gründung der Norddeutschen Seewarte und damit des Starts der maritimen Dienste in Deutschland bekannt.

Der Parlamentarische Staatssekretär im BMVI, Enak Ferlemann, Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, die Präsidentin des BSH, Monika Breuch-Moritz, und der Präsident DWD, Prof. Dr. Gerhard Adrian, freuen sich über den Fund und über die Tatsache, dass sich die australischen Finder auch mit DWD und BSH in Verbindung gesetzt haben.

"Einen so alten Beleg der wissenschaftlichen Arbeit der Deutschen Seewarte zu entdecken ist etwas Besonderes", betonte Staatssekretär Enak Ferlemann. "Auch wenn die Wissenschaft nicht mehr Glasflaschen mit Zetteln verwendet, ist das Prinzip der Erforschung der Strömung bis heute gleich geblieben. Autonom arbeitende Argofloats treiben durch die Ozeane und senden über Satellit die relevanten ozeanographischen Daten, darunter auch Strömungsdaten, an Datenzentren zur Auswertung. Oberflächendrifter messen neben der Wassertemperatur und dem Salzgehalt meteorologische Parameter wie Luftdruck und -temperatur."

"Dieser Fund zeigt eindrucksvoll, mit welchen einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln die Erforschung von Ozean und Atmosphäre begann. Heute geht nichts mehr ohne Satelliten", so Prof. Dr. Gerhard Adrian, Präsident des DWD. "Trotz dieser Entwicklung haben wir mit den damals erhobenen Daten einen wahren Schatz. Sie dienen der Klimaforschung, und die erhaltenen meteorologischen Journale der Schiffe beinhalten auch für andere Forschungszweige wertvolle Informationen."

Die Präsidentin des BSH und maritime Botschafterin der Internationalen Schifffahrts-Organisation IMO, Monika Breuch-Moritz, wies auf wesentliche Aspekte des Fundes nach rund 130 Jahren hin: "Auch wenn wir Erkenntnisse über die Meere heute mit anderen Mitteln gewinnen, hat sich an ihrer Bedeutung nichts geändert. Insbesondere der W ert der langen Datenreihen, die daraus entstanden sind, ist für die Wissenschaft unverzichtbar. Erst über lange Datenreihen gewinnen wir Erkenntnisse über die Veränderungen in den Meeren." Breuch-Moritz wies auch darauf hin, dass dieser Fund zeigen würde, wie eng DWD und BSH nach wie vor zusammenarbeiten. Es sei eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der maritimen Dienste für die Sicherheit der Seeschifffahrt.

Wissenschaftliches Hilfsmittel Stromflasche

Erste wissenschaftliche Meeresforschungen unter Verwendung verschlossener Flaschen, auch Stromflaschen genannt, fanden 1786 in der Bucht von Biscaya und zeitgleich vor der Küste der Vereinigten Staaten von Amerika statt. Die Flaschen enthielten sogenannte Flaschenfindezettel, auf denen die genaue Zeit und die geographische Lage des Ortes vermerkt waren, an dem die Flaschenpost dem Meer übergeben wurde. Der Flaschenfindezettel forderte - in der Regel in mehreren Sprachen - auf, Ort und Zeit des Fundes zu vermerken und den Zettel an das hydrographische Institut des Landes oder eine diplomatische Einrichtung des Herkunftslandes der Flaschenpost zu übergeben.

In Deutschland führte Georg von Neumayer 1864 die Flaschenpost als wissenschaftliches Hilfsinstrument zur Untersuchung von Strömungen ein. Als Direktor der Deutschen Seewarte, der Nachfolgeinstitution der Norddeutschen Seewarte, entwickelte er 1872 Standardformulare zur Erfassung der Daten.

Ab 1887 waren deutsche Schiffe verpflichtet, Flaschenposten an die Meere zu übergeben.

Authentizität der gefundenen Flaschenpost

Untersuchungen des Western Australien Museum in Perth sowie des DWD und des BSH haben bestätigt, dass es sich um eine Flaschenpost handelt, die im Auftrag der Deutschen Seewarte ausgesetzt worden war. Das Formular in der Flasche ist identisch mit den Flaschenfindezetteln, die von der Deutschen Seewarte verwendet wurden.

Auf dem Zettel ist als Ort für die Übergabe an das Meer «32° 49' S und 105° 25' O"» vermerkt. Laut dem meteorologischen Journal der PAULA, das dem DWD vorliegt, befand sie sich auf dem Weg von Cardiff nach Makassar (= Ujung Pandang in Indonesien) und zurück und war am 12. Juni 1886 um die Mittagszeit auf diesen Koordinaten. Der Kapitän hat im Journal für diesen Tag "Stromflasche über Bord" vermerkt. Die Schrift auf dem Flaschenfindezettel ist identisch mit der Schrift in dem meteorologischen Journal.

Analysen des Flaschenglases durch das Western Australian Museum in Perth ergaben, dass die Flasche um 1880 in den Niederlanden produziert worden war. Sie enthielt ursprünglich Gin oder Schnaps der Firma DANIEL VISSER & ZONEN/SCHIEDAM. Diese Flaschen haben heute Sammlerwert.

Im Archiv des DWD-Seewetteramtes in Hamburg befinden sich rund 37'000 meteorologische Journale, in denen die Besatzungen von Schiffen bei ihren Seereisen alle vier Stunden meteorologische Beobachtungen eintrugen. Darunter ist auch das meteorologische Journal der Bark PAULA.

Mit zirka 660 zurückgesandten Briefen beherbergt das BSH an seinem Standort in Hamburg die wahrscheinlich grösste Flaschenpostsammlung der W elt. Darunter befindet sich neben zahlreichen Flaschenfindezetteln aus der Zeit der Deutschen Seewarte auch die älteste von Georg von Neumayer dem Meer übergebene Flaschenpost.

Das Western Australian Museum und die Finder Tonya und Kym Illman veranstalten eine gemeinsame Pressekonferenz in Perth, Australien. Die Flasche und ihr Inhalt werden zusammen mit umfangreichen Informationen einen Platz in der Abteilung "Maritime Archäologie" des Museums erhalten.

BSH und DWD feiern in diesem Jahr die Gründung der Norddeutschen Seewarte im Jahr 1868, die den Start der die maritimen Dienste in Deutschland markiert. Das vorrangige Ziel der Einrichtung war, durch meteorologische und ozeanographische Beobachtungen von den Schiffen und mit Segelanweisungen auf Basis der Beobachtungen die Seewege sicherer zu machen und die Segelzeiten zu verkürzen.

Quelle: Text Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und Deutscher Wetterdienst (DWD), 6. März 2018

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Von Europa nach Asien: Fahrzeiten im Vergleich

Moderne Grosscontainerschiffe fahren mit maximalen Geschwindigeiten bis zu 22 Knoten (ca. 41 km/h). Die Bark PAULA war mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von ca. 5 Knoten (= 10 km/h) unterwegs.

Die Bark PAULA benötigte in den Jahren 1886 bis 1887 für den rund 25'000 km messenden Rückweg von Indonesien nach Europa 115 Tage.

Moderne Grosscontainerschiffe benötigen für die rund 14'700 km messende Strecke von Bremerhaven nach Singapur durch den Suezkanal ohne Be- und Verlademanöver rund 25 Tage. Die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt dabei rund 13 Knoten (= 24,5 km/h). Für die rund 20'500 km lange Fahrstrecke von Bremerhaven nach Busan in Südkorea werden 47 Tage eingeplant. Die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt dabei rund 13 Knoten (= 24,5 km/h).

Text: RAOnline

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