| Kultur - Geschichte - Religion |
 |
Kulturerbe Schweiz |
 |
Kulturerbe Weitere Informationen |
|
 |
Lebendige Traditionen im Kanton Glarus
|
 |
Kulturerbe im Kanton Glarus
|
|
Näfelser Fahrt: Fahrtsrede vom 3. April 2025
 |
| Festredner |
| Landesstatthalter Andrea Bettiga |
| Es gilt das gesprochene Wort |
|
Freiheit bedeutet Verantwortung
Hochgeachteter Herr Landammann
Hochvertraute liebe Mitlandleute, liebe Gäste
Im Namen der Regierung heisse ich Sie zur diesjährigen Näfelser Fahrt herzlich willkommen! Es ist mir eine besondere Ehre, heute vor Ihnen zu stehen und mit Ihnen nicht nur auf unsere Geschichte zurückzublicken, sondern auch über die heutigen Herausforderungen und Chancen nachzudenken, die uns als Gesellschaft prägen.
Vor mehr als 600 Jahren fand hier ein entscheidendes Ereignis statt, das unseren Kanton und letztlich die gesamte Schweiz prägte. Die Schlacht von Näfels, in der sich die tapferen Glarner gegen eine übermächtige Armee stellten, wurde zu einem Symbol für den Freiheitskampf, den die Menschen in dieser Region führten. Es war der Moment, in dem der Glarner Geist geboren wurde - ein Geist der Unabhängigkeit und des Widerstands gegen Fremdherrschaft.
Doch was bedeutet dieses historische Erbe für uns heute? Wenn wir die Geschichten von damals hören - von den mutigen Freiheitskämpfern, die für ihr Recht kämpften - mag uns manchmal das Gefühl überkommen, dass ihre Taten weit entfernt von unserer modernen Welt sind. Doch ich möchte Sie dazu einladen, den Blick auf unsere heutige Freiheit zu richten und zu hinterfragen, was wir aus der Geschichte wirklich für die Gegenwart lernen können.
In der heutigen Welt sind es nicht mehr nur Schlachten auf dem Schlachtfeld, die über unsere Freiheit entscheiden. Der Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung hat sich in neue, komplexe Bereiche verlagert. In einer globalisierten Welt stehen wir heute vor anderen Herausforderungen - Herausforderungen, die unsere Werte und unsere Vorstellungen von Freiheit auf die Probe stellen.
Nehmen wir als Beispiel die zunehmende Digitalisierung. Wir leben in einer Zeit, in der Daten das neue Gold sind und in der die persönliche Freiheit zunehmend mit der Sammlung und Analyse unserer Informationen verbunden wird. Die Freiheit, die wir geniessen, steht oft im Widerspruch zu der stetig wachsenden Überwachung, die uns umgibt. Soziale Medien, staatliche Überwachungsprogramme und sogar private Unternehmen wissen mehr über uns, als wir uns vielleicht bewusst sind.
Was bedeutet es also, in einer Welt zu leben, in der wir ständig beobachtet und analysiert werden? Bedeutet Freiheit in der digitalen Ära, dass wir jederzeit unser Leben dokumentieren können - oder bedeutet sie, dass wir uns sicher fühlen können, dass unsere Daten nicht unbefugt gesammelt oder genutzt werden? Diese Fragen sind entscheidend, wenn es darum geht, die Balance zwischen persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Sicherheit zu finden. Und dann ist da noch der Klimawandel - eine der grössten globalen Bedrohungen unserer Zeit. Wie können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass die Freiheit der kommenden Generationen genauso gewahrt wird wie unsere eigene? Der Kampf gegen den Klimawandel stellt uns vor enorme Herausforderungen, bei denen es nicht nur um den Erhalt der Natur geht, sondern auch um die Frage, wie viel Freiheit wir bereit sind, zugunsten einer nachhaltigen Zukunft aufzugeben. Es ist eine paradoxe Situation: Der Fortschritt, den wir in der Vergangenheit durch die Industrialisierung und technologische Innovationen erreicht haben, hat uns heute vor die Wahl gestellt, wie wir unseren Lebensstil anpassen, um die Freiheit künftiger Generationen zu sichern. Eine Freiheit, die wir jetzt schützen müssen, indem wir Verantwortung übernehmen und unsere Lebensweise nachhaltig gestalten.
In einer Zeit, in der wir mehr denn je miteinander vernetzt sind, stellt sich auch die Frage: Was bedeutet nationale Freiheit in einer globalisierten Welt? Wir sind ein Land, das von Globalisierung profitiert - unsere Wirtschaft ist eng mit dem Rest der Welt verflochten, und viele von uns können dank internationaler Mobilität den Horizont erweitern. Aber wie stellen wir sicher, dass diese Freiheiten nicht zu Ungleichheiten führen? Dass wir nicht nur eine globale Elite sind, die in einer privilegierten Blase leben, sondern auch denjenigen Freiheit bieten, die am Rand der Gesellschaft stehen?
Die Freiheit eines einzelnen Menschen ist untrennbar mit dem Wohl der Gesellschaft verbunden. Und hier, im Glarnerland, haben wir immer wieder bewiesen, dass es der Zusammenhalt und das gegenseitige Verständnis sind, die uns stark machen.
Aber auch hier dürfen wir nicht vergessen: Freiheit bedeutet nicht nur, das Recht zu haben, zu tun, was wir wollen. Sie bedeutet auch Verantwortung - Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, gegenüber unseren Mitmenschen, gegenüber der Zukunft. In einer Zeit, in der der Staat immer mehr Aufgaben übernimmt, die früher dem Einzelnen oblagen, müssen wir uns die Frage stellen: Wo bleibt die Eigenverantwortung? Wenn wir den Staat immer mehr in unsere Angelegenheiten einmischen lassen, wer trägt dann noch die Verantwortung für das eigene Handeln? Und wo bleibt der Raum für individuelle Freiheit, wenn immer mehr Vorschriften und Verordnungen unser Leben regeln?
Es ist eine ständige Balance - wie viel Regulierung notwendig ist, um Sicherheit zu gewährleisten, ohne die Freiheit zu ersticken? Wie können wir als Gesellschaft sicherstellen, dass der Staat nicht in Bereiche eingreift, in denen er nichts zu suchen hat, ohne dabei die grundlegenden Rechte und Freiheiten zu gefährden?
Die Freiheit, die unsere Vorfahren in der Schlacht von Näfels erkämpft haben, bedeutet mehr als nur das Fehlen von äusserem Zwang. Sie bedeutet die Fähigkeit, sich in einer sich ständig verändernden Welt selbst zu definieren, sich den Herausforderungen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen.
Ich fordere Sie heute dazu auf, diese Freiheit in all ihren Facetten zu verstehen und zu schätzen. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen geboten werden - in der digitalen Welt, in der globalen Gesellschaft, in der politischen Teilhabe - und setzen Sie sich für eine Zukunft ein, die nicht nur für uns, sondern auch für die kommenden Generationen lebenswert bleibt.
Lassen Sie uns den Mut haben, neue Wege zu gehen, zu hinterfragen und gemeinsam für die Freiheit einzustehen, die uns verbindet und die uns stark macht.
Wenn wir die Weltlage anschauen, so kann dies Angst machen: Unfassbare Dinge geschehen, und wir müssen wohl Abschied nehmen von Gewissheiten und Sicherheit. Seien wir uns bewusst, wie wertvoll die hohe Lebensqualität in der Schweiz, im Glarnerland ist. Und entfernen wir uns von der «Entrüstungskultur», die uns täglich begleitet. Kulturelle Aneignung oder geschlechterspezifische Sprache sind im Vergleich zu den Problemen anderer Nationen oder Völker wohl ziemlich nebensächlich.
So wünsche ich mir, dass mehr Demut, Dankbarkeit, aber auch gesunder Menschenverstand in
unsere Gesellschaft einzieht.
Für Land und Volk von Glarus bitte ich um den Machtschutz Gottes.
 |
Textquelle: Kanton Glarus,3. April 2025 |
nach
oben
| Informationen über den Kanton Glarus |
 |
|
Links
|
|
 |
 |
Externe Links |
|