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Kenia: «Ohne Friedensstifter wäre die Hölle losgewesen»
Bericht von Simon Wanjohi

Kenia ist ein zerrissenes Land: Immer wieder geraten die verschiedenen ethnischen Gruppen aneinander. Vom Fastenopfer ausgebildete Friedensräte stellen sich nicht nur bei Konfliktsituationen zwischen verfeindete Gruppen. Sie versuchen auch gegenseitiges Verständnis aufzubauen und so weiteren Auseinandersetzungen vorzubeugen. Kein einfaches Unterfangen, wie die Erfahrungen von David Wainaina zeigen.

Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. An den Auslöser für die Zusammenstösse, die 1998 den Distrikt von Ol Moran in Zentralkenia erschütterten, erinnert sich David Wainaina Kamau noch ganz genau: «Alles begann mit einem gewöhnlichen Zwischenfall: Ein paar Räuber stahlen der Bäuerin Wanjiru 20 Ziegen. Eine Gruppe junger Männer folgte den Tierspuren und griff voller Zorn den Stamm der Samburus an, die angeblich die Ziegen gestohlen hatten.
Dies bedeutete der Anfang vom Ende der friedlichen Koexistenz. Frieden gab es nur noch in der Vergangenheit.»

Die Angst ging um: Viele Menschen flohen aus ihren Häusern und suchten Zuflucht auf dem Grundstück der katholischen Pfarrei Ol Moran, wo sie monatelang in einfachen Zelten lebten. Unter ihnen war auch Wainaina. Er seufzt erleichtert: «In dieser schwierigen Zeit half uns die Kirche: Sie kümmerte sich um unsere Rückkehr.» In diese Zeit fiel auch der Start des Friedens- und Versöhnungsprojekts.

Nach der Rückkehr der Vertriebenen forderte die Kirche die Gemeinschaften auf, Dorfvertreter zu wählen, welche den Einigungsprozess vor Ort anführen. Wainaina wurde zuerst zum Vertreter seines Dorfes, später auch zum Vorsitzenden der Dachorganisation, dem regionalen Friedens- und Entwicklungskomitee (Area Peace and Development Committee APDC), gewählt.

Der 65-Jährige ist einer der Stammesältesten der Kikuyu. Er gehört zur Vielzahl der Kleinbauern: «Meine Frau und ich pflanzen auf unserem Boden Mais, Bohnen, Kartoffeln und Maniok an.» Doch um die Familie zu ernähren, reicht das nicht aus: «Wenn immer möglich übernehmen wir auch Gelegenheitsarbeiten in der Nachbarschaft. Das Leben hier ist eine grosse Herausforderung. Mehrere meiner zehn Kinder sind weggezogen, um anderswo Arbeit zu suchen.»

Bis in die abgelegensten Winkel

Unzählige Dorfversammlungen hat Wainaina organisiert, um gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern nach Ursachen der Konflikte zu suchen und Lösungen für eine friedliche Koexistenz zu beraten: «Durch diese Arbeit bin ich mehr denn je überzeugt, dass es nur eine Antwort auf die Probleme des Nebeneinanders gibt: das Gespräch.»

Die Menschen sollen sich mit den unterschiedlichen kulturellen Werten und Gepflogenheiten auseinandersetzen. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht auch die Stärkung der dorfeigenen Friedensräte, die als legitime Schlichtungsstellen dienen. Deshalb haben Wainaina und sein Komitee alle Winkel der Gegend von Ol Moran besucht und Friedenstreffen durchgeführt. «Niemanden haben wir ausgelassen, auch nicht die Viehhirten, die in abgelegenen und nur schwer zugänglichen Gegenden leben», ist er stolz.

Friedens- statt Kriegslieder

Wainaina versucht gezielt auch die Kultur der Menschen zu beeinflussen. Denn nicht immer ist Armut der Grund für Diebstahl. So sollen die Frauen mit ihren traditionellen «Kriegsliedern» nicht mehr ihre Männer zum Räubern anstacheln, sondern Frieden und Versöhnung preisen. Und so müssen die Jünglinge mit einer anderen Mutprobe ihre Reife zum Mann beweisen. Nur zu oft hatten sie sich - wenn gerade wieder weit und breit kein Löwe zum Kämpfen da war - des Nachbars Herde geschnappt

Wainaina besuchte zahlreiche Übungsworkshops in Friedensbildung und Versöhnung, die Caritas der Erzdiözese Nyeri, eine Partnerorganisation des Fastenopfers, organisiert. So wurde er zu einem eigentlichen Friedensstifter ausgebildet. Davon hat er enorm profitieren können: «Ich habe gelernt, jegliche Gewalt zu schlichten. Ich habe mir auch Fähigkeiten angeeignet, um jeder Gemeinschaft anders zu begegnen, offen ihre Angelegenheiten zu diskutieren und sie dann zusammenzubringen.

Mein Ziel ist: Die Gemeinschaften sollen sich austauschen, was sie bereit sind für ein friedliches Nebeneinander beizutragen. Dies hat sich als sehr nützliche Methode erwiesen.» Und Wainaina konnte sie bereits in so manchen brenzligen Situationen anwenden. So auch Anfang dieses Jahres.

Ein paar Samburus hatten einem Angehörigen des Kikuyu-Stammes eine Viehherde gestohlen. Als eine Gruppe Kikuyu sich auf die Verfolgung der Tiere machte, wurde Wainaina alarmiert: «Ich war gerade auf meinem Feld, liess alles stehen und liegen und machte mich zu Fuss auf den Weg. Als ich beim Kanjung'e-Damm auf die beiden verfeindeten Gruppen der Kikuyus und Samburus traf, stellte ich mich dazwischen. Leidenschaftlich appellierte ich an alle, um jeden Preis einen Konflikt zu vermeiden. Es gelang mir, die Angriffslust der beiden Gruppen einzudämmen, indem ich sie in ein Gespräch verwickelte. Schliesslich brachten die Samburus das gestohlene Vieh zurück.» Als alles vorbei war, teilten sich die Beteiligten die Einschätzung: «Es wäre die Hölle losgewesen, wenn nicht Wainaina dazwischengekommen wäre.»

Für Wainaina ist Friedenstiften weniger eine Arbeit als vielmehr eine Lebenseinstellung. «Jeder Tag und jede Handlung hat einen Bezug zum Friedenstiften. » Eigeninteressen spielen da eine wichtige Rolle: Wainaina will, dass seine Familie in Frieden leben kann. Lohn erhält er keinen. Dennoch investiert er viel Zeit, wenn zwischen den ethnischen Gruppen wieder einmal Spannungen herrschen. Oder wenn Vieh oder andere Kostbarkeiten abhanden kommen. Dann wird jeweils Wainaina beigezogen, um das Diebesgut zusammen mit der Polizei und den Dorfbewohnern ausfindig zu machen.

Nationales Vorzeigeprojekt

Beinahe zehn Jahre nach den schweren Unruhen von Ol Moran hat sich die Situation beruhigt. Bei der Befriedung hat das Fastenopferprojekt in 24 Dörfern der Pfarrei eine entscheidende Rolle gespielt. Und es gewinnt weiter an Bedeutung: Jetzt wird das Projekt auf andere Gebiete mit denselben Problemen ausgedehnt. «Die Friedensarbeit in der Pfarrei Ol Moran entwickelte sich innert kurzer Zeit zu einem Vorzeigeprojekt für Konfliktbearbeitung in Kenia», erklärt Claudia Fuhrer, beim Fastenopfer verantwortlich für das Landesprogramm in Kenia. Die Idee des Friedensstiftens gewinnt immer mehr Anhängerinnen und Anhänger.

Am Schluss des Gesprächs sagt Wainaina: «Segne Gott all unsere Freunde in weit entfernten Orten, wo wir nicht hinkommen. Möge Gott sie auch in Zukunft segnen und ihre Grosszügigkeit weiter wachsen lassen, um ihren Brüdern und Schwestern in Not überall auf der Welt zu helfen.»

Quelle: Text Fastenopfer Schweiz, 2009

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Quelle: Fastenopfer
«Ohne Friedensstifter wäre die Hölle losgewesen»
Friedensarbeit
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