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Wirtschaft Berglandwirtschaft - Schweizer Berghilfe
Schweizer Berghilfe Projekt Bergbauernbetrieb in Siat GR 2015
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Bergbauernbetrieb in Siat (Kanton Graubünden)
Das Dorf Siat liegt westnordwestlich von Ilanz im Kanton Graubünden. Das Dorf ist über die Kantonsstrasse Ilanz - Disentis und die Zufahrtsstrasse ab dem Dorf Rueun erreichbar.

Arno Casanova ist gesundheitlich nicht mehr in der Lage, seinen Bergbauernbetrieb zu führen. Zum Glück will Sohn Elias übernehmen. Aber dafür fehlt dem gelernten Schreiner eine Landwirtschaftslehre. Bis diese fertig ist, sind Casanovas auf einen Betriebshelfer angewiesen. Doch der ist teuer. Zu teuer für die Bergbauern. Die Schweizer Berghilfe überbrückt den Engpass.

Wie ein kranker Mann wirkt Arno Casanova nicht. Der 56-Jährige ist kräftig, sein fester Händedruck verrät, dass er es gewohnt ist, zuzupacken. Im Gespräch ist er lebhaft, macht Witze über seine Krankheit, lacht auch sonst viel.

Dass es Arno nicht gut geht, merkt man erst draussen, auf dem Weg zum Stall auf der anderen Seite des kleinen Bergdorfs Siat in der Surselva. Arno geht gemütlicher, als man es sich von Bergbauern gewohnt ist, und sobald es ein bisschen aufwärts geht, wird er noch langsamer und muss aufhören zu reden. "Ich kann eigentlich alles machen, aber sobald es anstrengend wird, geht mir die Puste aus", sagt er. Das Phänomen heisst Farmerlunge und ist vergleichbar mit der aus Bergwerken bekannten Staublunge. Diagnostiziert wurde es bei Arno erstmals anfangs der 1990er-Jahre. Da merkte er, dass etwas nicht stimmte. Besonders im Winter fiel ihm die Arbeit in den kleinen, stickigen Ställen immer schwerer. Ständig hustete er, fühlte sich matt. "Erst dachte ich, ich sei vielleicht auf die Tiere allergisch", erinnert er sich.

Doch es war die Kombination von Heustaub und Schimmel in der Luft, die ihm zu schaffen machte. Weil die alten Ställe schlecht durchlüftet waren, faulte das Heu oft, wenn es nicht ganz trocken eingebracht werden konnte. Arno: "Wenn man dann mit der Heugabel hantiert, verteilt man nicht nur Staub, sondern auch winzige Schimmelpilz-Sporen in der Luft und atmet diese ein. Je nach körperlicher Veranlagung verträgt man das. Oder man hat ein Problem."

Mit den Jahren kamen die Beschwerden zurück

Für Arnos Problem gab es zumindest vorübergehend eine Lösung: ein neuer Stall. Die Familie setzte alle ihre Ersparnisse ein und konnte 1995 mit Unterstützung der Schweizer Berghilfe bauen. Casanovas nahmen die Gelegenheit wahr und stellten vom traditionellen Aufzucht- und Mastbetrieb auf Mutterkuhhaltung um. Ausserdem bauten sie zwei grosse, befahrbare Silos. Seither liegt deutlich weniger Staub in der Luft. Arnos akute Gesundheits-probleme gingen zurück, und mit tatkräftiger Hilfe der Familie konnte er den Betrieb zwei weitere Jahrzehnte führen.

Doch mit den Jahren kamen die Beschwerden zurück, wurden immer schlimmer. Irgendwann ging es nicht mehr. Arno kam nicht mehr drumherum, den Rat seines Arztes zu befolgen und eine IV-Rente zu beantragen. Erst war die Rede von Umschulung. Das machte Arno Sorgen: "Was soll ein Bergbauer in meinem Alter, der nicht mehr körperlich arbeiten kann und keinerlei Computerkenntnisse hat, schon für einen Job finden?"

Ein neutrales ärztliches Gutachten fiel jedoch so negativ aus, dass von Umschulung keine Rede mehr war. Arno bekam die IV-Rente diskussionslos. Doch gleichzeitig wurde bei ihm zusätzlich Parkinson diagnostiziert. Ein Schock für die ganze Familie. Seine Frau Giuanna erinnert sich genau an den Tag, als die Diagnose kam. "Es war der 14. Februar 2014: Der Tag, an dem an den Olympischen Spielen drei Bündner je eine Medaille holten."

Der Jüngste übernimmt

Inzwischen war immerhin klar, was aus dem Hof werden sollte. Elias, der jüngste der drei Söhne, wollte ihn übernehmen. Dazu fehlte dem 25-jährigen gelernten Schreiner aber die nötige Ausbildung. Auf dem zweiten Bildungsweg dauert die Bauernlehre zwar nur zwei statt drei Jahre, dennoch lief Casanovas die Zeit davon.

Für das erste Lehrjahr, das Elias auswärts machen musste, engagierten Casanovas einen über den Maschinenring Graubünden vermittelten Betriebshelfer. Die gesamten Ersparnisse und ein Teil der spärlichen Altersvorsorge gingen dafür drauf. Das zweite Lehrjahr kann Elias zwar auf dem elterlichen Hof machen, ein Semester davon verbringt er aber in der Schule in Landquart. Also musste nochmals ein Betriebshelfer her. Doch diesmal war kein Geld mehr da. Casanovas gelangten wieder an die Berghilfe. Für den ehrenamtlichen Experten Erich Waldmeier war nach einem Besuch vor Ort klar: "Hier ist rasche und unkomplizierte Hilfe gefordert."

Ende Jahr wird Elias nun den Betrieb übernehmen. "Dies kommt durch die Krankheit früher als gedacht", sagt er. "Aber immerhin hatte ich Zeit, zuerst einen anderen Beruf kennenzulernen und ein paar Jahre zu arbeiten. Inzwischen weiss ich, dass ich wirklich Bergbauer sein will."

Quelle: Text Schweizer Berghilfe 2015

Die Schweizer Berghilfe ist eine ausschliesslich durch Spenden finanzierte Stiftung mit dem Ziel, die Existenzgrundlagen und Lebensbedingungen der Schweizer Bergbevölkerung zu verbessern. Die Unterstützung trägt dazu bei, Wirtschafts- und Lebensräume zu entwickeln und der Abwanderung aus dem Berggebiet entgegenzuwirken. 2014 unterstützte die Schweizer Berghilfe 631 Projekte mit über 28 Mio. Franken und löste damit ein Mehrfaches an Investitionen aus, die lokal Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen. Die Berghilfe trägt das ZEWO-Gütesiegel und ist von SQS/VMI für NPO Management Qualität zertifiziert.

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