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Schweizer Berghilfe Strassenbau im Urner Schächental
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Schweizer Berghilfe: Strassenbau im Urner Schächental

Eine 3,5 Kilometer lange Naturstrasse erleichtert Leben und Arbeit der Bergbauernfamilien im Gebiet Rämsenberg-Kessel-Grossberg im Urner Schächental. Die Schweizer Berghilfe unterstützte den Bau entscheidend. Vor Kurzem ging eine Premiere über die Bühne: der erste grosse Holztransport ins Tal.

Wer es sich einrichten kann, wohnt dem grossen Moment bei. Die Bergbauernfamilien beobachten gespannt, wie der Lastwagen vorsichtig die neue Strasse hinunter zur Waldlichtung fährt, eine feine Staubfahne nach sich ziehend. Wie Augenblicke später ein Baumstamm nach dem andern auf die Ladefläche gehievt wird und sich der vollbeladene Lastwagen auf die Reise Richtung Tal macht. Mit diesem Ereignis sind die Zeiten vorbei, als sämtliche Güter mit der Seilbahn transportiert werden mussten. Vorbei sind auch die Zeiten, als die Nachbarhöfe nur zu Fuss über schmale Trampelpfade erreichbar waren.

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Hinauf, hinunter

"Die neue Strasse wertet alles auf", sagt Peter Arnold, Präsident der Wegbaugenossenschaft Rämsenberg-Kessel-Grossberg. Er betreibt zusammen mit seinem Onkel Ernst Bissig einen Bergbauernbetrieb hoch über dem Talboden des Schächentals. Wie viele Urner Bergbauern bewirtschaften die beiden am steilen Südhang oberhalb Bürglen einen strengwerchigen Stufenbetrieb (1150 und 1500 m ü. M.). Das heisst, dass auf zwei oder mehr "Heimet" gelebt und gearbeitet wird. Ist das Heu für die Kühe auf einer Stufe verbraucht, wird die nächste bezogen.

Doch die Einkünfte aus der Landwirtschaft reichen nicht zum Leben, darum geht Peter Arnold - wie die meisten seiner Nachbarn - einem Nebenerwerb nach. Er arbeitet bei einer landwirtschaftlichen Treuhandgesellschaft im Urner Hauptort Altdorf. "Mein Arbeitgeber ermöglicht mir grosse Flexibilität. Wenn es Zeit zum Heuen ist, hat das natürlich absolute Priorität".

Naturstrasse für Gütertransporte
Die vor kurzem fertig gestellte Naturstrasse verbindet die Höfe Rämsenberg, Härderig, Kessel, Rophaien und Grossberg mit der bereits bestehenden Strasse, die hinunter ins Tal führt. Die fünf Bergbauernbetriebe waren bisher nur durch eine Seilbahn erschlossen und die abgelegenen Höfe nur zu Fuss erreichbar, im Winter oft durch mühsames Schneestapfen. 13 Personen leben das ganze Jahr hier, weitere acht während mehrerer Monate. Im Moment sind die Bergbauern am "Längsiwärche". So nennen sie die Arbeiten, die im Frühling zu erledigen sind: Wiesen und Weiden werden gesäubert, Mist gezettelt, Zäune errichtet.
Das ist an den steilen Hängen noch immer sehr streng, die neue Strasse erleichtert jedoch die Arbeit.

Während die Bauern bisher zu Fuss zu ihren Landstücken gingen, die Lasten weitgehend tragend, sind die Wiesen heute dank der einfachen Naturstrasse leichter erreichbar. Autos sieht man hier oben dennoch keine, die sind nach wie vor im Tal parkiert. Die neue Strasse ist für Gütertransporte bestimmt.

Mit den Nachbarn verbunden

"Jetzt können wir unser Schlachtvieh ins Tal fahren und müssen es nicht mehr in die Seil-bahn verladen", erklärt Peter Arnold. Das braucht zwar auch heute noch viel Zeit, denn der Fahrweg führt in vielen kurvigen Kilometern nach Spiringen hinunter. Doch dank diesem neuen "Talanschluss" können die Bauern auf teure Helikopterflüge verzichten, die bisher für die Lieferung von schwerem Material notwendig waren. "Wir sind durch die Strasse näher zusammengerückt. Jetzt wird auch ein Austausch von Maschinen und Geräten möglich", sagt Paul Herger, der mit Ehefrau Annegret, vier Buben und seinen Eltern ganzjährig im Kessel wohnt.

Der fünfjährige Elias, der jüngste Herger-Spross, freut sich über die neue Strasse, die in einer weiten Kurve am Haus vorbei führt. Voller Stolz führt er seine ersten Fahrkünste auf dem Velo vor. Die ganze Familie Herger profitiert: Dank der Strasse kann der grösste Teil des Heus in die Scheune im Kessel gebracht werden. Das bedeutet, dass Paul Herger nur noch wenige Wochen mit den Kühen im oberen Heimet verbringen wird. So muss die unten bleibende Familie nicht mehr allzu lange auf den Vater verzichten. Ein weiterer schöner Nebeneffekt: Die Hergers können das obere Heimet als Ferienwohnung vermieten, was wichtige Zusatzeinkünfte bringt.

Investition in die Zukunft
Ohne die entscheidende finanzielle Unterstützung der Schweizer Berghilfe wäre das Projekt kaum realisierbar gewesen, trotz grosser Eigenleistung der Genossenschafter beim Bau der Strasse. Die eigenen Mittel- die Wegbaugenossenschafter steuerten über 90'000 Franken bei - reichten einfach nicht aus, um die Strasse ganz zu finanzieren.

Darum gelangte die Genossenschaft an die Berghilfe, die den fehlenden Beitrag von 180'000 Franken übernahm.

Nun kann Peter Arnold optimistisch in die Zukunft blicken: "Durch die Strasse erschliessen sich uns neue Möglichkeiten".

So haben die Bauern beispielsweise für den Winter Plakate kreiert, die Schneeschuhläufer in die sonnigen Hänge locken sollen. Der Landwirt ist überzeugt: "Die Strasse verändert unser Leben im positiven Sinn und bietet auch kommenden Generationen eine Grundlage für die Weiterführung der Betriebe".

Die Schweizer Berghilfe ist eine ausschliesslich durch Spenden finanzierte Stiftung mit dem Ziel, die Existenzgrundlagen und Lebensbedingungen der Schweizer Bergbevölkerung zu verbessern. Die Unterstützung trägt dazu bei, Wirtschafts- und Lebensräume zu entwickeln, die regionale Kultur zu erhalten, die Landschaft zu pflegen und der Abwanderung aus dem Berggebiet entgegenzuwirken. 2010 unterstützte die Schweizer Berghilfe 497 Projekte mit über 20 Mio. Franken und löste damit ein Mehrfaches an Investitionen aus, die primär beim lokalen Gewerbe Wertschöpfung und Arbeitsplätze schaffen. Die Schweizer Berghilfe trägt das ZEWO-Gütesiegel und ist von SQS/VMI für NPO Management Qualität zertifiziert.

Quelle: Text Schweizer Berghilfe 2011

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