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Gletscher in der Schweiz
Jahrtausende altes Bogenfutteral vom Schnidejoch im Museum ausgestellt
2025
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Jahrtausende altes Bogenfutteral vom Schnidejoch im Museum ausgestellt
Das Schnidejoch verläuft zwischen dem Schnidehorn (2'937 m ü.M.) und dem Wildhorn (3'248 m ü.M.) im Berner Oberland. Der Passübergang führt vom Kanton Bern in den Kanton Wallis.

Ab dem 16. Mai 2025 ist die fast 5'000 Jahre alte Bogenausrüstung vom Schnidejoch im Bernischen Historischen Museum zu sehen. Herzstück des einzigartigen Ensembles ist ein Bogenfutteral aus Birkenkork (Rinde).

Das Bogenfutteral blieb nach seiner Entdeckung 2003 vorerst eingefroren, da zu wenig Wissen über das Trocknen von Birkenkork vorhanden war. Rund 20 Jahre nach dem Fund konnte der Archäologische Dienst des Kantons Bern die aufwendige Konservierung des Objekts abschliessen.

Im Hitzesommer 2003 fand eine Wanderin am Schnidejoch oberhalb der Lenk ein fremdartiges Objekt aus Birkenkork. Sie übergab es dem Bernischen Historischen Museum. Dies war der Beginn der «Eisarchäologie» im Kanton Bern. Der aus dem Eis freigeschmolzene Fund entpuppte sich nach den ersten Untersuchungen als ein 170 Zentimeter langes Bogenfutteral aus der Zeit um 2800 v. Chr. Ein Bogenfutteral ist eine Tasche für eine Bogenausrüstung mit aufgeschobenem Deckel. Das Objekt ist ein einzigartiger Beleg für die exzellenten Materialkenntnisse und technischen Fähigkeiten unserer Vorfahren. Zudem zeigt der Fund, dass das Schnidejoch in der Jungsteinzeit als Übergang zwischen den Berner und Walliser Alpen genutzt wurde.

Ein jungsteinzeitliches Hightechprodukt

Das Bogenfutteral besteht aus mehreren Lagen Birkenkork, die mit Lindenbast (innere Baumrinde) vernäht und an den Seiten mit Holzstäben verstärkt sind. Birkenkork ist leicht, formstabil und wasserdicht - also eine Art jungsteinzeitliches Goretex - und ideal zum Schutz einer unverzichtbaren Ausrüstung. Auch Ötzi, die 1991 entdeckte Gletschermumie, hatte auf seiner Reise durch die Ostalpen vor rund 5'300 Jahren zwei Gefässe aus Birkenkork bei sich. Der nicht gefundene Besitzer des Bogenfutterals vom Schnidejoch gilt als Schweizer Pendant zu Ötzi und wurde «Schnidi» genannt. Im Inneren seines Bogenfutterals befanden sich bei der Bergung zwei Pfeilspitzen aus Silex (Feuerstein), der in der Gegend von Olten abgebaut worden war. Ein Bogen und mehrere Pfeilschäfte aus anderen Teilen des Eisfeldes vervollständigen die Ausrüstung. 

Nachhaltige und technisch einfache Konservierung

Nach der sensationellen Entdeckung der einzigen bekannten jungsteinzeitlichen Bogentasche stellte sich die Frage, wie der über Jahrtausende im Eis eingefrorene Fund für die Nachwelt erhalten werden kann. Archäologische Funde aus Birkenkork sind selten, weshalb Wissen und Erfahrungswerte für deren Konservierung fehlten. Entsprechend kam es bei der Behandlung des Futteraldeckels zunächst zu einem Konservierungsfehler. Das Bogenfutteral wurde zur Sicherheit wieder eingefroren und im Depot des Archäologischen Dienstes eingelagert.

Um eine passende Konservierungsmethode zu entwickeln, wurden das Bogenfutteral und das Material Kork im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Forschungsprojektes «Unfreezing History» an der Hochschule der Künste Bern (HKB) und der Universität Bern eingehend untersucht. In der daraus resultierenden Forschungsarbeit, die nun als Buch vorliegt, sind zahlreiche Details zur Herstellung des Futterals dokumentiert. Ebenso zeigte sich, dass das Bogenfutteral in einer formstabilen Kapsel bei kühler Umgebungstemperatur kontrolliert luftgetrocknet werden kann: eine nachhaltige und technisch einfache Lösung für den langfristigen Erhalt.

Vom Labor ins Museum

Der spektakuläre Fund vom Schnidejoch ist ab dem 16. Mai 2025 im Bernischen Historischen Museum ausgestellt. Im inszenierten Grabungszelt erwartet die Besucherinnen und Besucher die gesamte konservierte Bogenausrüstung von «Schnidi»: Dazu gehören das Bogenfutteral, der Bogen, drei Pfeilschäfte und zwei Pfeilspitzen. «Dieser Fund ist ein Fenster in die Jungsteinzeit. Es ist faszinierend, zu sehen, mit welch ausgefeilten technischen Details das Bogenfutteral ausgestattet ist», so Vanessa Haussener, Kuratorin Archäologie und Projektleiterin im Bernischen Historischen Museum.
Die Ausstellung präsentiert zudem ein faszinierendes 3D-Modell und eine Animation über die Herstellung, die Fundgeschichte und die anschliessende Trocknung des Bogenfutterals. Die Forschungsresultate des Projekts «Unfreezing History» werden im Rahmen des gemeinsamen SNF-Agora-Projekts «Stone Age was Plant Age» der HKB, des Bernischen Historischen Museums und des Archäologischen Dienstes gezeigt.

Quelle: Text Kantont Bern, 15. Mai 2025
Schnidejoch: Bilder von der Fundstelle
Wildhorn: Tungelgletscher (Kanton Bern) - 2008
Das Schnidejoch verläuft zwischen dem Schnidehorn (2'937 m ü. M.) - linke Bildhhälfte - und dem Wildhorn (3'248 m ü.M.).
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Schnidejoch Bilder von der Fundstelle
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Archäologischer Dienst des Kantons Bern
Bernisches Historisches Museum
Kanton Bern
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