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Medienmonitor Website zeigt Einfluss der Schweizer Medien 2018
auf die Meinungsbildung
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Medienmontior: Website zeigt Einfluss der Schweizer Medien auf die Meinungsbildung

Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) hat am 13. November 2018 erstmals den Medienmonitor Schweiz präsentiert. In Form einer interaktiven Website wird das Potenzial der verschiedenen Mediengattungen - Print, Radio, TV, Online - für die Meinungsbildung dargestellt. Die Untersuchung zeigt, dass das Fernsehen den grössten Einfluss auf die Meinungsbildung hat, vor der Presse, Radio und Onlinemedien. Der Medienmonitor Schweiz gibt ausserdem Auskunft über Besitzverhältnisse und unternehmerische Verflechtungen im Schweizer Medienmarkt.

Auf www.medienmonitor-schweiz.ch, der dreisprachigen Webseite des Medienmonitors Schweiz, kann das Meinungsbildungspotenzial für die gesamte Schweiz und verschiedene Regionen angezeigt werden. Ebenfalls ersichtlich sind die Besitz- und Beteiligungsverhältnisse der grossen Schweizer Medienunternehmen. Die Webseite umfasst auch einen wissenschaftlichen Bericht, der eine Gesamtinterpretation der zahlreichen Detailergebnisse enthält.

Wie die Ergebnisse für das Erhebungsjahr 2017 zeigen, dominiert das Fernsehen die Meinungsbildung vor allem in der lateinischen Schweiz:

In der französischen Schweiz hat es die deutlich grössere Meinungsmacht als die Presse, deren Beeinflussungspotenzial in diesem Landesteil etwa gleich gross ist wie dasjenige des Radios. In der italienischen Schweiz ist die Führungsrolle des Fernsehens noch grösser. Hier liegt die Presse hinter dem Radio auf Platz drei der einflussreichsten meinungsbildenden Medien. Online-Angebote liegen nach den Untersuchungen der Studie in allen drei Landesteilen an letzter Stelle. Auch in der deutschen Schweiz hat das Fernsehen als Gattung insgesamt das grösste Beeinflussungspotenzial, Print ist in diesem Landesteil aber stärker als in den lateinischen Sprachregionen.

Diese Angaben beziehen sich auf die allgemeine Informationsnutzung. Sie wird breit verstanden und beinhaltet neben Politik auch Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport. Über die punktuelle Informationsnutzung bei politischen Ereignissen, wie zum Beispiel vor und über Abstimmungen und Wahlen gibt der Medienmonitor keine Auskunft.

Das einflussreichste Medienunternehmen ist die SRG SSR, gefolgt von Tamedia. Die einflussreichsten Einzelmedien sind die Gratis-Pendlerzeitungen «20 Minuten / 20 minutes / 20 minuti», vor den Radio- und Fernsehprogrammen der SRG SSR. Je nach Alter variiert die Bedeutung der verschiedenen Mediengattungen. Während bei jüngeren Medienkonsumentinnen und -konsumenten vor allem «20 Minuten» für die Meinungsbildung beigezogen wird, dominieren bei den ältesten Publikumsgruppen die Fernseh- und Radioprogramme der SRG SSR.

Der Medienmonitor Schweiz basiert auf Daten, die aus drei aufeinander abgestimmten Forschungsmodulen stammen. Im ersten Modul wurde die Rolle der verschiedenen Medien bei der individuellen Meinungsbildung der Schweizer Bevölkerung mittels einer Repräsentativbefragung erhoben. Im zweiten Modul werteten die Forscher Daten aus etablierten Studien der angewandten Medienforschung aus, um das Gewicht der verschiedenen Medien im Publikumsmarkt festzustellen. In einem dritten Modul wurden schliesslich anhand von Geschäftsberichten, Branchenstudien und laufender Marktbeobachtung die Besitz- und Beteiligungsverhältnisse im Schweizer Medienmarkt erhoben und in einer Datenbank dargestellt. Diese wird laufend aktualisiert.

Der Medienmonitor Schweiz ist Teil der BAKOM-Medienforschung, mit der insbesondere die Programmleistungen und die Publikumsakzeptanz der Schweizer Radio- und Fernsehstationen mit Leistungsauftrag untersucht werden. Der Medienmonitor Schweiz wurde vom BAKOM in einem offenen Verfahren nach WTO öffentlich ausgeschrieben. Für die ersten vier Untersuchungsjahre erhielt das Forschungsbüro Publicom AG in Kilchberg den Zuschlag.

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Medienmonitor Schweiz 2017

Zusammenfassung

Der Medienmonitor Schweiz untersucht die Leistungen der Medien für die Meinungsbildung in der Schweiz und dokumentiert Kräfteverhältnisse und unternehmerische Verflechtungen im Medienmarkt. Das Schweizer Mediensystem garantierte im Jahr 2017 die ausgewogene Meinungsbildung in der Schweizer Bevölkerung, es geht keine akute Gefährdung von einzelnen Marken oder Konzernen aus. Die grösste Meinungsmacht haben die ersten Programme der SRG SSR und die stärksten Marken von Tamedia, insbesondere das dreisprachige 20Minuten. Auffällig und medienpolitisch bedeutsam sind die markante Überalterung desTV-Publikums und die anhaltende Tendenz zur Vereinheitlichung redaktioneller Inhalte.

Methodische Informationen

Der Medienmonitor Schweiz verknüpft drei Erhebungsmodule und vereint Daten aus vielfältigen Quellen:

1) Bevölkerungsrepräsentative Online-Befragung und persönliche Offliner-Befragung zur Bedeutung von 170 Schweizer Medienmarken für die individuelle Meinungsbildung (N=5'001)

2) Sekundäranalyse anerkannter Schweizer Währungsstudien zu den täglichen Kontaktleistungen von Medienmarken (Radio/TV: Mediapulse, Print: WEMF, Online: NET-Metrix)

3A) Sekundäranalyse von Branchenstudien und Geschäftsberichten zum wirtschaftlichen Gewicht der Akteure im Schweizer Medienmarkt

3B) Laufende Marktbeobachtung und Dokumentation der Besitz- und Beteiligungsverhältnisse in der Schweizer Medienlandschaft

Medienvielfalt und Meinungsbildung im Brennpunkt

Demokratien sind auf die freie und ausgewogene Meinungsbildung in der Bevölkerung angewiesen. Sie ist ein hohes und schützenswertes Gut. Für das Funktionieren der politischen Prozesse und den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist es unabdingbar, dass die Bürgerinnen und Bürger Zugang zu relevanten Informationen haben und diese aus einer möglichst grossen Auswahl unterschiedlicher Quellen beziehen können. Deshalb fördern Staaten die institutionelle Medienvielfalt, um damit inhaltliche Diversität zu garantieren und Meinungsvielfalt abzusichern.

In der Schweiz, wo Mehrsprachigkeit, Kleinräumigkeit und föderale Strukturen zu einer stark segmentierten Medienlandschaft geführt haben, setzt die Medienförderung im Rundfunkbereich an, insbesondere bei der mehrheitlich gebührenfinanzierten SRG SSR sowie einigen privaten Veranstaltern von lokal-regionalen Radio- und TV-Programmen. Das System hat sich über Jahrzehnte bewährt, und es findet grundsätzlich eine hohe Akzeptanz in der Schweizer Bevölkerung, wie es das Abstimmungsresultat zur No Billag-Initiative kürzlich bestätigt hat. Dessen ungeachtet wird die Leistungsfähigkeit der Schweizer Medienlandschaft für die Sicherung der Meinungsbildung immer wieder in Frage gestellt - angesichts fortwährender Konvergenz, beschleunigter Konzentrationserscheinungen, veränderter Nutzungsgewohnheiten und dem Qualitätsverlust, welcher der Medienberichterstattung regelmässig nachgesagt wird.

Für die Beurteilung der hiesigen Medienlandschaft und insbesondere der freien Meinungsbildung liefert der Medienmonitor Schweiz nun jährlich eine sachliche und systematische Grundlage. Die Studie erfasst die Meinungsmacht von rund 170 Medienmarken und neun Medienkonzernen in nationalen, sprachregionalen und 14 lokal-regionalen Märkten, und sie dokumentiert unternehmerische Verflechtungen und die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse im Schweizer Medienmarkt. Zur Ermittlung von Meinungsmacht beurteilen die Mediennutzerinnen und -nutzer in einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung die Leistungen der Marken als Informationsmedien. Diese qualitative Bewertung wird mit den täglichen Kontaktleistungen der Angebote kombiniert, die von offiziellen Schweizer Reichweitenstudien ausgewiesen werden. Daraus resultiert eine indexierte Kennzahl für Meinungsmacht, die für das relative Potenzial von Medienmarken steht, ummeinungsbildende Wirkungen zu entfalten.

Schweizer Medienlandschaft garantiert Meinungsvielfalt

Die Erhebung zum Jahr 2017 zeigt eine vielfältige und leistungsfähige Schweizer Medienlandschaft, die ihre gesellschaftliche Funktion zur Meinungsvielfaltssicherung weitgehend erfüllt, trotz schwieriger Marktbedingungen und einigen unliebsamen, potenziell schädlichen Konzentrationstendenzen. Auch wenn die Auswahl an Informationsmedien für das Deutschschweizer Publikum klar grösser ist als für die französischsprachige und vor allem für die italienischsprachige Bevölkerung, stehen in allen untersuchten Gebieten genügend Alternativen zur Verfügung, um Informationsbedürfnisse bei unterschiedlichen Quellen zu decken.

Die Ergebnisse geben keine Hinweise auf eine akute Gefährdung der freien Meinungsbildung in der Schweiz, indem einzelne Medienmarken oder Konzerne in der Lage wären, die nationale, sprachregionale oder lokal-regionale Meinungsbildung über Gebühr zu prägen - obgleich die ersten öffentlichen TV-Programme der lateinischen Schweiz nahe an den Meinungsmacht-Schwellenwert von 50 Indexpunkten kommen und jeden Tag knapp die Hälfte der Bevölkerung mit ihren Informationen erreichen (der Maximalwert liegt bei 100 Punkten).

20 Minuten und SRG SSR-Programme prägen die Meinungsbildung

Am wenigsten Gefahr besteht auf nationaler Ebene, da Schweizer Medienmarken in der Regel auf einen Sprachmarkt oder eine noch kleinere Region ausgerichtet sind, was zur Ausdifferenzierung mehrerer relevanter Medienmärkte geführt hat. So hat sich in der Schweiz kein Angebot eine landesweite Vormachtstellung als dominierendes Mehrheitsmedium verschafft. Auch nicht die Gratis-Pendlerzeitung 20 Minuten, die als einzige tagesaktuelle Marke ein grosses mehrsprachiges Publikum erreicht und als klare Schweizer Nummer 1 für Meinungsmacht firmiert.

In den Landesteilen befindet sich die SRG SSR in der deutlich stärksten Position. Die beiden ersten Programme belegen in den drei sprachregionalen Meinungsmacht-Rankings jeweils den Spitzenplatz (TV) und den dritten Rang (Radio), nicht weit gefolgt von zwei oder drei weiteren An-geboten der öffentlichen Rundfunkveranstalterin. Private Medienanbieter aus der Schweiz stellen jeweils etwa die Hälfte der 20 meinungsstärksten Angebote der Landesteile, sie erreichen aber nur selten absolute Spitzenpositionen. Neben der starken Pendlerzeitung 20 Minuten auf Rang 2 erzielen in der Deutschschweiz einzig der Blick und der Tages-Anzeiger eine grössere Meinungsmacht von mindestens 10 Indexpunkten. In der Romandie kommen neben 20 minutes (wiederum stark auf Rang 2) nur Le Matin (im Jahr 2017, die Printausgabe von Le Matin wurde inzwischen vom Markt genommen) und 24 heures in diesen Bereich. Etwas anders sieht die Situation in der kleinen italienischen Schweiz aus, mit sechs grösseren privaten Konkurrenten der RSI-Programme, insbesondere dem Corriere del Ticino mit zweitstärkster Meinungsmacht.

Komplettiert werden die sprachregionalen Meinungsmacht-Rankings jeweils von einer (knappen) Handvoll ausländischer TV-Programme, die auch abseits ihres Kerngebiets eine beträchtliche Meinungsmacht ausüben können. Sie befinden sich in einer deutlich besseren Position als das private Schweizer Regionalfernsehen, dessen marginale Stellung nicht nur sprachregional, sondern auch in lokal-regionalen Medienräumen auffällt. Ins Auge springt zudem das vergleichsweise schwache Abschneiden von reinen Onlinemarken (für Social Media resultiert wegen fehlenden Reichweitedaten keine Meinungsmacht). Auch in diesen Teilmarkt tritt die SRG SSR stark auf, mit drei von sechs Onlineangeboten, die es in die sprachregionalen Meinungsmacht-Top 20 schaffen.

In einem Grossteil der lokal-regionalen Medienräume liegt wiederum die SRG SSR vorne, mit Ausnahme von drei Deutschschweizer Gebieten, wo sich 20 Minuten die Spitzenposition sichert. Zusätzlich verschaffen sich jeweils zwei bis vier regionale Medien aus dem Verbreitungsgebiet, meist Print- oder Radiomarken, eine starke Position und tragen so zur Meinungsvielfalt bei.

Konzern-Duopol und regionale Schwergewichte teilen sich Meinungsmacht

Zwar konzentriert sich die Meinungsmacht in der kleinen Schweiz auf wenige Medienkonzerne, und in vielen Räumen formiert sich ein "Duopol" mit der SRG SSR und Tamedia. Doch es ist nicht anzunehmen, dass in absehbarer Zeit ein einziger Anbieter in einem der untersuchten 18 Märkte zu dominant werden könnte. Die beiden grössten Häuser, die als einzige in allen unter-suchten Räumen mit eigenen Angeboten tätig sind, vereinen zusammen knapp die Hälfte der nationalen Meinungsmacht. Die SRG SSR schlägt mit hohen 31 Prozent zu Buche und liegt in sämtlichen 18 untersuchten Märkten vorne. Tamedia verbucht 17 Prozent am Schweizer Meinungsmarkt. Die führende private Medienanbieterin ist damit nicht nur national, sondern auch in der französischen und der deutschen Schweiz sowie in 8 von 14 Medienräumen die klare Nummer zwei. Alle anderen untersuchten Medienhäuser haben im schweizerischen Meinungsmarkt ein deutlich geringeres Gewicht: Ringier erreicht sieben Prozent, und die NZZ-Mediengruppe sowie AZ Medien liegen nochmals geringfügig darunter, während vier kleinere Konzerne zusammen noch 3 Prozent an die nationalen Meinungsbildung beitragen. Eine beträchtliche regionale Bedeutung erlangen - hinter der SRG SSR jeweils als deutliche Nummern 2 - die NZZ-Mediengruppe in St. Gallen und der Zentralschweiz, die Gruppo Corriere del Ticino in der italienischen Schweiz, AZ Medien in Zürich Nordwest und Mittelland sowie Somedia in Graubünden.

Hinzu kommt eine Vielzahl weiterer Medienorganisationen, denen fast 80 der 170 untersuchten Medienmarken gehören (und damit keinem der grossen Konzerne), und die zusammengenommen ganze 30 Prozent am nationalen Meinungsmarkt vereinen. Darunter befinden sich zahlreiche kleinere Schweizer Medienhäuser, die meist regionale Radio-, Print- oder TV-Marken herausgeben, ausserdem wenige Schweizer Konzerne mit Kerngeschäft ausserhalb des Medienbereichs und auch einige Meinungsmacht-Schwergewichte, meist ausländische TV-Veranstalter. Da diese Organisationen nicht mit einer Stimme sprechen, tragen sie zur Vielfalt bei.

SRG SSR und Kopfblattsysteme unter Beobachtung

Trotz dem insgesamt erfreulichen Fazit ist künftig eine gewisse Wachsamkeit angezeigt, wenn es um die freie Meinungsbildung in der Schweiz geht: Zum einen erreicht die SRG SSR, auch dank der effektiven Medienförderung mit asymmetrischen Gebührenanteilen, in vielen Märkten eine sehr mächtige Stellung. Das kann die Erfolgsaussichten der regionalen Konkurrenz schmälern, und es unterstreicht die Bedeutung der Konzessionspflicht für eine ausgewogene Berichterstattung. Ausserdem stellt die massive Überalterung des TV-Publikums, die insbesondere die SRG SSR-Programme betrifft, das heutige, rundfunkzentrierte Förderungssystem vor grosse Herausforderungen, um die ausgewogene Meinungsbildung in der Schweiz für die Zukunft abzusichern.

Zum anderen bringt die anhaltende Tendenz zur Vereinheitlichung redaktioneller Strecken und Organisationen einige Medienhäuser in die Lage, bspw. durch Kopfblattsysteme beträchtliche Meinungsmacht mit überregionalen Inhalten auszuüben: Im Jahr 2017 überschreitet die Titelkombination der Luzerner Zeitung (NZZ-Mediengruppe) im Medienraum Zentralschweiz den Schwellenwert von 50 Indexpunkten minimal (mit 51 Punkten) und hat so grossen Einfluss im regionalen Meinungsmarkt. Und mit der Südostschweiz (Somedia) im Medienraum Graubünden und dem St. Galler Tagblatt (NZZ-Mediengruppe) im Medienraum St. Gallen liegen zwei weitere Kopfblattsysteme nur ganz knapp darunter (je 49 Punkte).

Der Medienmonitor Schweiz wird künftig jährlich die Entwicklungen der Medienlandschaft und der Meinungsbildung in der Schweiz beobachten. Die Studienwebsite visualisiert Kernbefunde und dokumentiert Marktstrukturen und aktuelle Ereignisse: www.medienmonitor-schweiz.ch

Quelle: Publicom , November 2018

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