Klima im Wandel - Klimainformationen
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Zahlreiche beliebte Freizeitaktivitäten sind auf spezifische klimatische Bedingungen angewiesen. Skifahrerinnen und Skifahrer brauchen eine ausreichende Schneedecke, Scuba-Taucherinnen und -Taucher bevorzugen warme, fischreiche Gewässer mit farbenfrohen Korallenbänken, und Strandurlauber suchen ausgedehnte Sandstrände, Sonnenschein und ruhiges Wasser. Viele Breitensportarten benötigen intensiv bewässerte Grünflächen, Kreuzfahrtschiffe brauchen sichere und passierbare Wasserwege, und beim Reisen und auf Ausflügen, aber auch im Verkehr im Allgemeinen, sind günstige Witterungsverhältnisse wichtig.

Die zunehmenden Klimaschwankungen und künftige klimatische Veränderungen könnten insbesondere in Entwicklungsländern die Aufrechterhaltung zahlreicher Tourismusaktivitäten und Verkehrswege beeinträchtigen oder gar bedrohen und die Einbussen, die diese Sektoren bereits heute aufgrund der weltweiten Wirtschaftslage
verzeichnen, weiter in die Höhe treiben. Klimainformationen sind eine unverzichtbare Grundlage für die Entscheidungsfindung.

Der Transportsektor engagiert sich bereits heute aktiv an Minderungsbemühungen, und eine engere Zusammenarbeit mit Klimafachleuten wird zu einer Stärkung der Anpassungsmassnahmen beitragen. Ausserdem leistet der Transportsektor mit seinem Netzwerk von Schiffen und Flugzeugen einen wichtigen Beitrag zur weltweiten Klimabeobachtung.

Die Klimaänderungen sind im Tourismus bereits spürbar. Dies gilt vor allem für klimaempfindliche Destinationen. Für die kleinen Inselstaaten unter den Entwicklungsländern, deren sozioökonomische Entwicklung häufig stark von den Einnahmen aus dem Fremdenverkehr abhängt, äussert sich ein Rückgang der Besucherzahlen in rapide steigender Arbeitslosigkeit und Armut. Extreme Wetterereignisse erodieren beliebte Strände und gefährden Korallenriffe und die biologische Vielfalt. Häufigere Hitzewellen könnten dazu führen, dass Touristen die Strände an manchen Orten meiden. Eine weitere Gefahr für diese Länder ist der Anstieg des Meeresspiegels, der auf kurze Sicht Strände und Korallenriffe zerstören und ein Eindringen von Salzwasser in die Süsswassersysteme bewirken und langfristig die Küstenregionen unbewohnbar machen könnte.

In den Bergregionen zeichnen sich in Bezug auf den Wintersport bereits heute Veränderungen ab. Während höhere Temperaturen in manchen Gebieten Europas und Nordamerikas zusätzliche Beschneiung erforderlich machen und eine Verkürzung der Saison bewirken, eröffnen sie neue Möglichkeiten für weiter nördlich gelegene Regionen, in denen sich die Schneeverhältnisse weniger stark ändern dürften. Andere nördliche Regionen wie Grönland verzeichnen einen Zustrom von Touristen, die Gletscher und Eisberge mit eigenen Augen sehen wollen, weil die Eismassen hier leichter zugänglich sind und weil befürchtet wird, sie könnten im Zuge des Klimawandels verschwinden. Allerdings dürfte sich diese Region längerfristig mit Klimarisiken konfrontiert sehen.

In nördlichen Regionen - insbesondere in der Arktis - ist der Verkehr auf Permafrost und Eispisten angewiesen. Deren Verlässlichkeit nimmt jedoch mit steigenden Temperaturen ab. 2008 konnten Schiffe bereits den dritten Sommer in Folge die Nordwestpassage zwischen den arktischen Inseln befahren, ohne auf Eisberge zu treffen oder vom Eis eingeschlossen zu werden. In anderen Regionen der Erde könnte eine Zunahme von Hitzeperioden zu häufigeren Schäden an Strassen und Eisenbahntrassen führen. Wetterextreme wirken sich auf Land-, Wasser- und Luftverkehrswege gleichermassen aus.

Damit in Verkehr und Tourismus die Klimarisiken bewältigt und die klimabedingten Chancen genutzt werden können, sind präzise und verlässliche Klimainformationen unverzichtbar. Ausgehend von Klimamodellen, die die Temperaturveränderungen für die kommenden 30 Jahre abbilden, können Wintersportregionen feststellen, welche Standorte sich für den Bau neuer Skilifte mit einer Lebensdauer von 25 Jahre eignen.Urlaubsorte in Küstengebieten können Sportarten identifizieren, die von den Klimaänderungen besonders betroffen sind, und sich entsprechend vorbereiten. Golf- und andere Sportanlagen können dank Klimaprognosen ihre Wasserressourcen adäquater nutzen. Klimaprognosen bieten zudem Frühwarnungen für Naturgefahren, wodurch die gesamte Wertschöpfungskette im Tourismussektor rechtzeitig Vorkehrungen treffen kann. Diese Prognosen enthalten auch wichtige Informationen über die Aufrechterhaltung der Verkehrsinfrastruktur.

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Klimaprognosen als Entscheidungsgrundlage für den Bau von Skiliften

Bereits heute setzen zahlreiche Wintersportgebiete auf künstliche Beschneiung als Anpassungsmassnahme, um sich gegen unsichere Schneeverhältnisse zu wappnen. Seit ihren Anfängen in den 1950er-Jahren in Nordamerika hat sich die künstliche Beschneiung mittlerweile auf der ganzen Welt durchgesetzt, denn dank dieser Technik verlängert sich die durchschnittliche Wintersportsaison um mehrere Wochen. Aufgrund des hohen Wasserverbrauchs müssen indessen die Umweltauswirkungen der künstlichen Beschneiung ausgeglichen werden. Verlässliche Klimainformationen über künftige verletzliche Gebiete sind dabei von zentraler Bedeutung.

Die Entnahme von Wasser aus Flüssen und Seen für die künstliche Beschneiung kann zeitweise zu einer kritischen Absenkung der Wassermengen führen. Dies wiederum wirkt sich möglicherweise nicht nur auf die Trinkwasserversorgung, sondern auch auf die Fischbestände und auf andere Wasserlebewesen aus. Um derartige Folgen für aquatische Ökosysteme zu verhindern, haben einige Gebietskörperschaften wie beispielsweise der US-amerikanische Bundesstaat Vermont gesetzliche Vorschriften erlassen, die die Wasserentnahme für die Beschneiung verbietet, wenn die Wassermengen in natürlichen Gewässern die durchschnittliche Abflussmenge in den Wintermonaten unterschreiten. Setzt sich die Klimaerwärmung im erwarteten Ausmass fort, würde dies den Bedarf an Beschneiungsanlagen erhöhen, und manche Wintersportregionen müssten aufgrund dieser Vorschrift den Betrieb einstellen.

Um Abhilfe zu schaffen, hat das Skigebiet Okemo in Vermont ein Wasserreservoir errichtet, in dem während der Frühlings- und Sommermonate Wasser für die Beschneiung im Winter gespeichert wird. Dank der Kombination von gesetzlichen Beschränkungen der Wassernutzung und der Errichtung des Reservoirs kann der Betrieb der Wintersportanlagen in der Region gewährleistet und gleichzeitig die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung sichergestellt werden. Bei der Bewirtschaftung der Reservoirs und der Beurteilung des Beschneiungsbedarfs sind Klimamodelle von entscheidender Bedeutung.

Aber auch andere Anpassungstechnologien sind auf verlässliche Klimainformationen angewiesen, vor allem dort, wo eine künstliche Beschneiung mangels Wasser nicht in Frage kommt. Dazu zählen beispielsweise die bauliche und landschaftliche Gestaltung von Skipisten, um die Haltbarkeit der Schneedecke zu erhöhen, sowie die Verlegung des Betriebs in höher gelegene Gebiete, sofern dies möglich ist.

Die Daten für den Zeitraum 1985 bis 1999 zeigen, dass die wirtschaftlichen Einbussen durch Naturkatastrophen in armen Ländern, in denen der Tourismus den grössten Anteil am Bruttoinlandprodukt stellt, am höchsten sind. Quelle: nach Münchner Rück

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Initiativen, die Klimainformationen für Tourismus und Verkehr nutzen

Die Anpassungsinitiative der Skigebiete im US-amerikanischen Bundesstaat Vermont ist nur ein Beispiel für die zahlreichen Projekte auf der ganzen Welt, die Klimainformationen für die Planung in Tourismus und Verkehr nutzbar machen. Im Folgenden werden einige Beispiele für neuere und laufende Projekte genannt:

• Die von der WMO und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mitfinanzierte Publikation der Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) mit dem Titel Climate Change and Tourism: Responding to Global Challenges erörtert die zahlreichen verschiedenen Auswirkungen des Klimawandels auf die Tourismusbranche weltweit und zeigt mögliche Stossrichtungen für die künftige Forschung sowie für die Anpassung auf. Über den Climate and Tourism Information Exchange Service der UNWTO steht der Tourismussektor ausserdem in ständigem Kontakt mit Klimafachleuten.

• Die Sachverständigengruppe für Klima und Tourismus (Expert Team on Climate and Tourism) der WMO befasst sich mit den Auswirkungen der Klimaschwankungen und des Klimawandels auf den Fremdenverkehr und unterstützt die Entwicklung und Nutzung präziser Wetter- und Klimainformationen zur Steigerung der Nachhaltigkeit von Tourismusbetrieben auf der ganzen Welt.

• Die Webseite des World Weather Information Service (WWIS) der WMO, die vom Hong Kong Observatory betrieben wird, bietet der internationalen Gemeinschaft und den Medien einen Online-Zugang zu den neuesten offiziellen Wetterprognosen und Klimainformationen für über 1200 Städte weltweit, die von meteorologischen und hydrologischen Diensten auf der ganzen Welt bereitgestellt werden. Sofern bekannt, werden auch Links zu den Webseiten der offiziellen Wetterdienste sowie von Tourismusvereinigungen und -organisationen geboten. 2008 wurde die Webseite ausgebaut und ist seither in den sechs Sprachen Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch verfügbar.

• Die chinesische Meteorologiebehörde nutzt Klimainformationen für die Planung in Verkehr und Tourismus. Beim Bau des Vorfeldes und zur Ausrichtung der Landebahn auf dem Dach des Gebäudes der Untersuchungsbehörde des städtischen Amtes für öffentliche Sicherheit in Peking wurde eine klimabezogene Machbarkeitsstudie durchgeführt, bei der Windverhältnisse und weitere Parameter berücksichtigt wurden. Ausserdem stellte die Behörde Wetter- und Klimainformationen zur Verfügung, die für die endgültige Gestaltung des Wukesong-Sportzentrums für die Olympischen Spiele in Peking verwendet wurden.

• Im Vorfeld der Ski-Weltcuprennen des Internationalen Skiverbands (FIS) in Zagreb/Sljeme erarbeitete der kroatische Meteorologie- und Hydrologiedienst Grundlagendaten zur Modellierung der Schneeverhältnisse und ihrer Veränderungen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Betrieb der Infrastrukturen und den Beschneiungsbedarf zu ermitteln. Klimastudien für die kroatische Tourismusindustrie werden hauptsächlich auf Anfrage der Tourismusbranche oder der Anlagenbetreiber durchgeführt. Solche Untersuchungen erlauben es, saisonbedingte und anderweitige Schwankungen des regionalen Fremdenverkehrsaufkommens vorauszusagen.

• Der litauische meteorologische Dienst hat eine Publikation mit dem Titel Resorts and Climate veröffentlicht, die als Hilfestellung für die Tourismusbranche gedacht ist. Ausserdem stellt der Dienst routinemässig Klimainformationen für den Strassen-, Schienen-, Luft- und Seeverkehr bereit.

• Die Regierung von Mauritius hat ein Küstengebietsmanagement eingeführt, um lokale Schadstoffbelastungen zu senken und die Widerstandsfähigkeit der Korallenriffe gegenüber Umweltveränderungen wie häufigere und intensivere Wirbelstürme sowie von El Niño hervorgerufene Wetter- und Klimaereignisse zu stärken. Die Korallenriffe sind ein bedeutender Tourismusmagnet und insbesondere bei Scuba-Tauchern beliebt.

• Auf den Fidschi-Inseln werden neue Ferienanlagen mindestens 2,6 Meter über dem mittleren Meeresspiegel und 30 Meter hinter der Hochwassermarke erbaut, um Schäden durch Stürme und durch den Anstieg des Meeresspiegels zu verringern. Ausserdem soll durch eine Überarbeitung der Bauvorschriften sichergestellt werden, dass Infrastrukturanlagen den zu erwartenden Witterungseinflüssen standhalten. Die einzelnen Betriebe verfügen über Evakuationspläne und eine Versicherungsdeckung, schulen ihre Mitarbeitenden und haben weitere sachdienliche Massnahmen ergriffen. 2007 wurden die Ministerien für Umwelt und Tourismus zusammengelegt, um der gegenseitigen Abhängigkeit dieser beiden Bereiche Rechnung zu tragen.

• Das US-amerikanische Verkehrsministerium unterstützt Forschungsvorhaben über die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Verkehrsinfrastruktur. Die Risiken von Kälte- und Hitzeextremen sowie von Überschwemmungen und Stürmen für Strassen, Brücken, Eisenbahnlinien und Wasserwege wurden in neueren amerikanischen Untersuchungen erörtert. Ein kürzlich erschienener Bericht der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften schlägt verschiedene Anpassungsstrategien vor, darunter die frühzeitige Planung neuer Infrastrukturen, die den prognostizierten künftigen Klimaverhältnissen entsprechen.

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Zahlen und Fakten

• Mehr als 1000 Schiffe und 3000 Flugzeuge auf der ganzen Welt sind jeden Tag an der Erhebung von Klima- und Wetterdaten beteiligt. [WMO]

• Gemäss einer Umfrage aus dem Jahr 2004 erachten 80 % der Manager von Biosphärenreservaten in Bergregionen die Auswirkungen des Klimawandels auf Tourismus und Freizeit als ein vorrangiges Problem. [Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO)]

• Das britische Strassennetz stellt für sich allein genommen den kostenintensivsten Vermögenswert des Landes dar. Ein Bericht aus dem Jahr 2004 bezifferte den Wert der wichtigsten Strassen und Autobahnen auf 62 Milliarden GBP. Durch die Klimaschwankungen und den Klimawandel erhöht sich unter anderem das Risiko von Überflutungen entlang von Flüssen und in Küstennähe, verstärkt sich die Abnutzung der Autobahninfrastrukturen und verändern sich die Anforderungen an die Strassensicherheit. [Britisches Verkehrsministerium]

• 2006 erwirtschaftete die Tourismusbranche weltweit 735 Milliarden USD. Davon entfielen 221 Milliarden - also knapp ein Drittel - auf die Entwicklungsländer. [UNWTO]

• Gemäss einem Klimamodell, das von einem Temperaturanstieg um 2 Grad Celsius ausgeht, würde sich die Zahl der natürlich schneesicheren Skigebiete in den Alpen um über 30 % von 609 auf 404 verringern. [Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) / Abegg et al.]

• Zwischen 2000 und 2007 wuchs der internationale Fremdenverkehr in den 50 am wenigsten entwickelten Ländern (LDCs) um 110 %. Damit bietet der Tourismus für zahlreiche Entwicklungsländer und LDCs eines der grössten Potenziale für eine nachhaltige Entwicklung. [UNWTO]

• 14 % des jährlichen Budgets für Unterhalt und Reparaturen an der 760 Kilometer langen Konkan-Eisenbahnlinie in Indien entfallen auf die Behebung von Schäden an Geleisen, Brücken und anderen Anlagen, die durch extreme Wetterereignisse wie Hangrutschungen infolge von Niederschlägen verursacht werden. [Zwischenstaatliche Sachverständigengruppe für Klimaänderungen (IPCC)]

• Durch den prognostizierten Anstieg des Meeresspiegels um 18 bis 59 Zentimeter bis ins Jahr 2100 würde sich die Küstenerosion beschleunigen, Salzwasser würde ins Grundwasser eindringen und zahlreiche Strände gingen verloren. Dies würde den Fremdenverkehr in Küstenregionen stark beeinträchtigen. [IPCC]

• Im US-amerikanischen Bundesstaat Florida bescherten die 10-tätige Sperrung der Keys und die Räumungsarbeiten im Anschluss an den Wirbelsturm Georges im Jahr 1998 der Tourismusbranche Einbussen im Umfang von rund 32 Millionen USD. [US-amerikanische Umweltschutzbehörde]

Quelle: Text UVEK, Bundesamt für Umwelt BAFU, Faktenblatt 3. Weltklimakonferenz in Genf (WCC-3), August 2009
Meeresspiegelanstieg Afrikas Küsten sind bedroht
Kiribati Leben an der Frontlinie des Klimawandels
Klimawandel am Tschadsee
Hochwasser im Sahel

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Weitere Informationen
OcCC: Klimaänderung und die Schweiz 2050
Klimawandel: Was ist das?
ETHZ Klimaforschung nur mit breiter Vernetzung
WMO Atlas der Gesundheit und des Klimas
Globale Klimaberichte
Kiribati - Frontlinie des Klimawandels
Unterrichtsmaterial Klimaberichte - Klimawandel
Klimasimulationen für Wissenschaft und Gesellschaft
Bilder Länder-Informationen Karten Klima Videos Filme

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Links
Externe Links
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
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