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Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC)
Lebensbedingungen in Europa unterscheiden sich stark
Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC) 2011
Neuchâtel, 28.05.2013(BFS)

Allgemeiner Lebensstandard in der Schweiz ist unter den höchsten in Europa

Das Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlicht Ergebnisse aus der Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC), die unterstreichen, wie gross die Unterschiede zwischenden europäischen Ländern sind.

In den neuen Mitgliedstaaten der Europäischen Union wie Bulgarien, Ungarn und Rumänien ist mehr als jede fünfte Person nicht in der Lage, mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu essen. Im Euroraum trifftdies auf 8 Prozent der Bevölkerung zu, in der Schweiz auf weniger als 2 Prozent.

Der allgemeine Lebensstandard in der Schweiz, gemessen anhand des verfügbaren Äquivalenzeinkommens, lag im Jahr 2011 im europäischen Vergleich hinter jenen von Luxemburg und Norwegen an dritter Stelle. Das verfügbare Äquivalenzeinkommen in der Schweiz ist viermal so hoch wie in Rumänien, Lettland oder Bulgarien und doppelt so hoch wie in Griechenland.

Schweiz liegt in Bezug auf die Ungleichheit der Einkommensverteilung nahe am europäischen Durchschnitt

Für das Jahr 2011 ergab das Verhältnis S80/S20, dass in der Schweiz die Summe der Einkommen der reichsten 20 Prozent 4,5-mal so hoch war wie jene der ärmsten 20 Prozent. In Europa variierte dieser Indikator zwischen 3,3 und 6,8 (EU-27: 5,1). In den Nachbarländern der Schweiz belief sich das Verhältnis S80/S20 auf 3,8 (Österreich), auf 4,5 (Deutschland), auf 4,6 (Frankreich) und auf 5,6 (Italien). Die ausgeprägtesten Ungleichheiten der Einkommensverteilung wiesen Spanien, Lettland, Bulgarien, Rumänien, Griechenland und Litauen auf. In Island, Norwegen, in der Tschechischen Republik, in Slowenien, Schweden und Finnland waren die Ungleichheiten am geringsten.

Grosse Unterschiede in Bezug auf Lebensbedingungen und Ausgrenzungsrisiken in Europa In der Schweiz leben 12,5 Prozent der Bevölkerung in einem Haushalt, der Schwierigkeiten hat, für die notwendigsten Ausgaben aufzukommen, und lediglich 1,0 Prozent in einem Haushalt, der von erheblicher materieller Entbehrung betroffen ist. In der Europäischen Union (EU-27) liegen die Werte deutlich höher. 2011 hatten 25,6 Prozent der europäischen Bevölkerung Schwierigkeiten, für die notwendigsten Ausgaben aufzukommen, und 8,8 Prozent waren von erheblicher materieller Entbehrung betroffen.

Werden diese beiden Indikatoren kombiniert, lassen sich drei Ländergruppen unterscheiden. Zur ersten Gruppe gehören die mittel- und nordeuropäischen Länder wie die Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Norwegen, Schweden und Dänemark. Diese Ländergruppe zeichnet sich durch eine sehr niedrige Quote der erheblichen materiellen Entbehrung (weniger als 6%) aus und der Anteil der Personen, die in einem Haushalt mit finanziellen Schwierigkeiten leben, beträgt weniger als 25 Prozent.

Die zweite Gruppe besteht aus den südeuropäischen Ländern wie Italien und Portugal und einigen osteuropäischen Ländern wie Polen und der Tschechischen Republik. Diese Länder weisen eine Quote der erheblichen materiellen Entbehrung von rund 10 Prozent auf und mehr als ein Viertel der Bevölkerung hat Schwierigkeiten, für die notwendigsten Ausgaben aufzukommen.

Die dritte Gruppe schliesslich, für die besonders schwierige Lebensbedingungen charakteristisch sind, setzt sich vor allem aus Staaten, die der Europäischen Union in den 2000er-Jahren beigetreten sind, sowie Griechenland zusammen. Am höchsten sind die Werte in Bulgarien, wo 62,4 Prozent der Bevölkerung Schwierigkeiten haben, für die notwendigsten Ausgaben aufzukommen, und 43,6 Prozent von erheblicher materieller Entbehrung betroffen sind.

Materielle Entbehrung in den europäischen Ländern

Zu den am weitesten verbreiteten der neun Dimensionen der materiellen Entbehrung in der Europäischen Union (EU-27) zählen:

nicht in der Lage sein, unerwartete Ausgaben einer bestimmten Höhe (in der Schweiz 2000 Franken) zu tätigen (EU-27: 37,5%; CH: 18,5%), und ...

... nicht in der Lage sein, eine Woche Ferien pro Jahr weg von zu Hause zu finanzieren (EU-27: 37,7%; CH: 8,6%).

Die in der Europäischen Union am wenigsten häufige materielle Entbehrung ist der Nichtbesitz eines Farbfernsehers aus finanziellen Gründen (EU-27: 0,4%). Der Anteil dieser materiellen Entbehrung ist in allen Ländern niedrig.

Viele Europäerinnen und Europäer sind nicht in der Lage, mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu essen

In Europa ist knapp jede zehnte Person (EU-27: 9,7%) nicht in der Lage, mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige fleisch- oder fischhaltige Mahlzeit bzw. eine vegetarische Entsprechung zu essen. Im Euroraum liegt der Anteil bei 7,8 Prozent, in den neuen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (NMS-12) bei 20,5 Prozent. In Lettland und in Ungarn ist rund jede dritte Person betroffen (31,2% bzw. 29,0%), in Bulgarien jede zweite (50,8%). In der Schweiz sind lediglich 1,6 Prozent der Bevölkerung nicht in der Lage, mindestens jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu essen.

Quelle: Bundesamt für Statistik , Mai 2013
Ungleichheit bei der Einkommens- und Vermögensverteilung
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Die Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen (SILC)

Die Erhebung SILC (Statistics on Income and Living Conditions) ist eine europaweit koordinierte Erhebung, die jedes Jahr in über 30 Ländern durchgeführt wird. Ziel der Erhebung ist die Untersuchung der Einkommensverteilung, der Armut, der sozialen Ausgrenzung und der Lebensbedingungen anhand von europaweit vergleichbaren Indikatoren. Grundgesamtheit ist die ständige Wohnbevölkerung in Privathaushalten. Die an der Erhebung teilnehmenden Personen werden während vier aufeinanderfolgenden Jahren befragt. Auf diese Weise können wesentliche Veränderungen der Lebensverhältnisse einzelner Personen beschrieben und die Entwicklung der Lebensbedingungen untersucht werden.

Definitionen

Bruttoeinkommen: Das Bruttohaushaltseinkommen fasst alle Einkommen sämtlicher Mitglieder eines Privathaushalts zusammen (Einkommen aus unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, Renten und Sozialtransfers, Vermögenserträge usw.). Die in der Befragung SILC 2011 erhobenen Einkommensdaten beziehen sich auf das Jahr 2010.

Verfügbares Einkommen: Das verfügbare Einkommen wird berechnet, indem man vom Bruttoeinkommen die obligatorischen Ausgaben, d.h. Sozialversicherungsbeiträge, Steuern, Krankenkassenprämien für die Grundversicherung, Alimente und andere zu leistende Unterhaltsbeiträge abzieht.

Verfügbares Äquivalenzeinkommen: Das verfügbare Äquivalenzeinkommen wird anhand des verfügbaren Haushaltseinkommens unter Einbezug der Anzahl Personen im Haushalt (via
«Äquivalenzskala des Haushalts») berechnet. Die Äquivalenzskala wird ermittelt, indem der ältesten Person des Haushalts das Gewicht 1,0 zugewiesen wird, jeder weiteren Person ab 14 Jahren das Gewicht 0,5, jedem Kind unter 14 Jahren das Gewicht 0,3 und dann werden die Werte zusammengezählt. Ziel ist es, der Tatsache Rechnung zu tragen, dass beispielsweise eine vierköpfige Familie nicht viermal höhere Ausgaben hat als eine alleinlebende Person, um denselben Lebensstandard zu erreichen (Skaleneinsparungen). Dadurch lassen sich die Einkommen von Personen in unterschiedlich grossen Haushalten besser vergleichen. Die Analysen erfolgen auf Ebene der Personen und nicht auf jener der Haushalte.

Kaufkraftstandard: Der Kaufkraftstandard (KKS) ist eine Währungseinheit, die die von Land zu Land unterschiedlichen Preisniveaus beseitigt. Der KKS ermöglicht es, in allen Ländern gleich viele Güter und Dienstleistungen zu kaufen. Somit können mit dieser Währung die wirtschaftlichen Indikatoren verschiedener Länder verglichen werden.

Verhältnis S80/S20: Das Verhältnis S80/S20 bzw. die Quote S80/S20 gibt das Verhältnis des gesamten Einkommens der reichsten 20 Prozent zu jenem der ärmsten 20 Prozent der Bevölkerung an. Sie ist ein Mass der Ungleichheit bei der Einkommensverteilung in einer bestimmten Gesellschaft. Je höher das Verhältnis S80/S20, desto grösser ist die Ungleichheit bei der Verteilung. Eine Quote von 4 beispielsweise sagt aus, dass die Einkommen der wohlhabendsten Personen zusammengenommen viermal höher sind als jene der am schlechtesten gestellten Personen. Berechnungsgrundlage ist das verfügbare Äquivalenzeinkommen.

Materielle Entbehrung: Die erhebliche materielle Entbehrung wird beschrieben als finanziell bedingter Mangel von mindestens vier von neun Elementen aus den nachfolgend geschilderten Kategorien. Diese europaweit koordinierten neun Kategorien von Entbehrungen betreffen folgende Bereiche: in der Lage sein, unerwartete Ausgaben in der Höhe jenes Betrages zu tätigen, der 1/12 der Armutsgefährdungsschwelle (bei 60%) für Einpersonenhaushalte entspricht (in der Schweiz: 2'000 Franken); in der Lage sein, eine Woche Ferien pro Jahr weg von zu Hause zu finanzieren; keine Zahlungsrückstände (Hypothekenraten oder Miete, laufende Rechnungen, Ratenzahlungen für Mietkauf oder andere Darlehensrückzahlungen); in der Lage sein, jeden zweiten Tag eine fleisch- oder fischhaltige Mahlzeit (oder vegetarische Entsprechung) zu haben; in der Lage sein, die Wohnung ausreichend zu heizen; im Besitz einer Waschmaschine sein; im Besitz eines Farbfernsehers sein; im Besitz eines Telefons sein; im Besitz eines Autos sein.

Schwierigkeit, für die notwendigsten Ausgabenaufzukommen: Personen, die in einem Haushalt leben, der nach eigenen Angaben Schwierigkeiten oder grosse Schwierigkeiten hat, für die alltäglich notwendigen Aufgaben aufzukommen.

Quelle: Text Bundesamt für Statistik , Mai 2013

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Weitere Informationen
Schweiz Alleinerziehende mit hohem Armutsrisiko
Junge Erwachsene in Schwierigkeiten
EU Armut oder sozialer Ausgrenzung bedrohten Personen 2018
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