Geomorphologie: Massenbewegungen
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Geomorphologie Massenbewegungen
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Bergsturz am Piz Scerscen (Graubünden) 2024
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Bergsturz am Piz Scerscen (Graubünden)

14. April 2024
Bergsturz am Piz Scerscen (Gemeinde Samaden, Graubünden)

Am 14. April 2024 um 6:56 Uhr ereignete sich ein Bergsturz auf ca. 3'600 m ü. M. am Piz Scerscen, Val Roseg. Dabei stürzten mehrere Millionen Kubikmeter Fels
und Eis bis in das Haupttal auf ca. 2'050 m ü. M. ab. Quelle: Gemeinde Samedan

Am 14. April 2024 hat sich ein Bergsturz am Piz Scerscen ereignet. Der Schuttstrom erstreckt sich über mehr als 5 km. Betroffen sind die Zustiege zur Chamanna Coaz (Zustieg entlang Lej Vadret) und Chamanna Tschierva (Sommer-und Winterzustieg) sowie sämtliche Querungen des Vadret da Tschierva zum Piz Roseg, Piz Scerscen und Piz Aguagliouls. Quelle: SAC Bernina

Das Volumen des Bergsturzes werde auf über eine Million Kubikmeter geschätzt, womit dieser die Grössenordnung des Bergsturzes am Piz Cengalo bei Bondo im Jahr 2017 erreiche, sagte der Gemeindepräsident von Samedan, Gian Peter Niggli. Das Gestein türme sich im Val Roseg auf einer Länge von über fünf Kilometern.Quelle: SRF

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Piz Scerscen: Beurteilung der Situation und Massnahmen nach dem Bergsturz

Zwei geologische Gutachten, welche die Gemeinde Samedan im Nachgang des Bergsturzes am Piz Scerscen vom 14. April 2024 in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Wald und Naturgefahren in Auftrag gegeben hat, kommen zum Schluss, dass keine so grossen Nachstürze zu erwarten sind, die eine Gefährdung der Wanderwege, Tschiervahütte, Schwemmebene oder Hotel/Restaurant Roseg erreichen. Massgebend für die aktuelle Gefährdungssituation in der Val Roseg sind Wasserausbrüche aus den Ablagerungen. Der Gemeindevorstand hat an seiner Sitzung vom 17. Juni 2024 aufgrund der Empfehlungen aus den Gutachten entsprechende Massnahmen beschlossen.

Die Sturzablagerungen liegen derzeit als gefrorenes Eis-Gestein-Gemisch vor und sind in stabilem Zustand. Eine Schuttstrom, analog zur Val Bondasca, kann ausgeschlossen werden, solange kein ausgeprägtes Auftauen stattfindet. Allenfalls sind aufgrund des hohen Eisanteils Kriechbewegungen, ähnlich wie sie bei einem Blockgletscher zu beobachten sind, möglich. Aufgrund der sehr flachen Gefällsverhältnisse im Auslaufbereich ist jedoch ein Stillstand auch bei einer allfälligen Verflüssigung schon wenige hundert Meter nach der heutigen Sturzfront zu erwarten.

Die grösste Gefährdung geht aktuell von fluvialen Prozessen aus, insbesondere durch die Bildung von Flutwellen, sollten sich oberflächliche Wasseransammlungen oder Wasserkörper im Innern der Ablagerungen plötzlich entleeren. Durch eine plötzliche Entleerung können sehr hohe Abflussspitzen entstehen, die sich bis in den Unterlauf der Ova da Roseg auswirken.

Im Bereich der Schwemmebene besteht grundsätzlich die Gefahr von Flutwellen, sollte sich ein See oder eine Wassertasche plötzlich entleeren. Aufgrund der aktuellen Topographie kann jedoch eine Flutwelle infolge eines grösseren Rückstaus der Ova da Roseg hinter den Sturzablagerungen ausgeschlossen werden. Die Ablagerungen schmiegen sich gut ins Gelände ein und der Zufluss der Ova da Roseg wird südseitig der Ablagerungen nicht behindert.

Massnahmen beschlossen

Die beiden durch spezialisierte Fachleute erarbeiteten Gutachten geben neben einer Beurteilung der aktuellen Situation auch mehrere Empfehlungen in Rücksprache mit dem Amt für Wald und Naturgefahren ab, welche die Gemeinde Samedan auch so umsetzen wird. Dies hat der Gemeindevorstand an seiner Sitzung vom 17. Juni 2024 nach Prüfung der Massnahmen und Einordnung des Restrisikos beschlossen. Entsprechende Informationstafeln werden in den nächsten Tagen an verschiedenen Orten eingangs sowie in der Val Roseg aufgestellt.

Es wird dringend davon abgeraten, die Sturzablagerungen zu betreten. Dies aufgrund von Rutschungen, herabfallenden Blöcken und der Einsturzgefahr aufgrund des Auftauprozesse.

Es wird dringend davon abgeraten, die Sturzablagerungen zu betreten. Dies aufgrund von Rutschungen, herabfallenden Blöcken und der Einsturzgefahr aufgrund des Auftauprozesses.
Der Wanderweg in der Talebene zum Lej da Vadret bleibt gesperrt.
Es wird empfohlen, die Schwemmebene zu meiden. Die geöffneten Wanderwege können mit entsprechender Eigenverantwortung begangen werden.
Beim Aufenthalt entlang des Bachbetts der Ova da Roseg sind die potentiell schnellen Pegelanstiege zu beachten (auch bei Schönwetter).
Die Oberflächenentwicklung und die Wasserwege werden periodisch durch die Gemeinde mit dem Ziel beobachtet, grössere Seebildungen / Wassertaschen zu erkennen.
Im nächsten Winter wird die Langlaufloipe ausserhalb des Gefährdungsbereichs angelegt.

Eine Neubeurteilung der Situation am Piz Scerscen wird im Frühling 2025 durchgeführt.

Quelle: Text Gemeinde Samedan, 18. Juni 2024
Tschierva- und Sellagletscher
Morteratschgletscher

 

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Quelle: Gemeinde Samedan
Bergsturz in der Val Roseg - Beurteilung und Massnahmen
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Bergsturz Ein Bergsturz ist eine Massenbewegung von Felsblöcken, Geröll und Schutt mit einem Volumen von über einer Million m3 Material, das entspricht dem Volumen von 1'000 bis 2'000 Einfamilienhäusern.
Felssturz Von einem Felssturz spricht man, wenn sich Felsblöcke, Geröll und Schutt mit einem Volumen von mehr als 100m3 und weniger einer Million m3 talwärts bewegen, das ist vergleichweise das Fassungsvermögen von 500 bis 600 Badewannen.
Blockschlag Blockschlag entsteht, wenn grössere Felsbrocken bzw. Felsblöcke niedergehen.
Steinschlag Ein Steinschlag ist ein Sturzprozess, bei welchem sich kleinere Mengen von Fels-, Schutt- und Steinmaterial, oft sogar nur einzelne Steine ins Tal stürzen. Grössere Steinschlagereignisse können u.a. Verkehrsverbindungen und Wanderwege kurzzeitig blockieren.
Murgang oder Rüfe Murgänge sind eine Mischung aus Hochwasser, Erdrutsch und Felssturz. Murgänge oder Rüfen sind «Gerölllawinen».
Hangrutsch Von einer Hangrutschung spricht man, wenn festes Material wie Fels und Gestein auf einer festen Unterlage talwärts gleitet. Das kann ein jahrhundertelanger Prozess sein, kann aber auch spontan und schnell ablaufen
Quelle: WSL

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