RAOnline EDU: Geomorphologie - Massenbewegungen - Erdrutschgefahr in Braunwald (Glarus) (Kanton Glarus - Schweiz) - Projekt Entwässerungsstollen Braunwald
Geomorphologie: Massenbewegungen
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Geomorphologie Massenbewegungen
Erdrutschgefahr in Braunwald (Glarus)
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Erdrutschgefahr in Braunwald (Glarus)
Informationen über das Projekt «Entwässerung Braunwald 2025 -2030»
2. April 2025 Vorbereitungsarbeiten für den Entwässerungsstollen in Braunwald aufgenommen

20. April 2026

Materialseilbahn für den Bau des Entwässerungsstollens Braunwald

Durch das Siedlungsgebiet von Braunwald fliessen an der Erdoberfläche keine Gewässer. An der Südwestecke fliessen der Brummbach und am östlichen Rand der Schlattbach talwärts. Das Niederschlagswasser sickert durch die Bodenschichten hinunter auf die wasserundurchlässigen Schichten des Grundgebirges. Die über dem Grundgebirge liegenden Bodenschichten werden durchnässt und sind dadurch instabil.

Im Gebiet, welches den Bummbach im Westen, den Seblengrat im Norden, den Schlattbach im Osten und das Kalksteinfelsband im Südosten begrenzt wird, liegen dicke Schichten wasserdurchlässiger Trümmergesteine einer postglazialen Bergsturzmasse. Besonders mächtig ist die mit Moränenmaterial durchsetzte Ablagerungszone zwischen Grotzenbüel und Schwändiberg. In dieser Zone ist eine durch die Last der dicken Ablagerungsschicht talwärts gerichtete Rutschbewegung entstanden. Die Rutschmasse bewegte sich bisher auf dem Grundgebirge aufliegenden wässrigen Gleitschicht mit bis zu 4 mm jährlich talabwärts.

Die zuständigen Behörden haben sich nach Analyse der Gefahrenlage entschieden, im unteren Teil des Gefahrengebiets unterhalb der Gleitschicht einen rund 900 m langen und 4,9 m hohen Entwässerungsstollen in den Hang zu bohren. Beidseits der Stollenwände werden zahlreiche Drainagebohrungen nach oben in den Untergrund getrieben. Diese Leitungen führen das Entwässerungswasser dem Hauptstollen zu. In diesem Stollen wird künftig das abfliessende Niederschlagswasser aufgefangen und kontrolliert abgeleitet. Mit dieser Massnahme wird der Wasserdruck und somit auch der Bergdruck im Rutschgebiet verringert.

Die in Braunwald angestrebte Entwässerungslösung wurde zuvor schon im Bergsturzgebiet von Brienz-Brinzauls im Albulatal im Kanton Graubünden gewählt. In Brienz-Brinzauls hat der Bau eines Entwässerungstunnels die talwärts gerichtete Hangbewegung bis im Jahr 2026 die Rutschgeschwindigkeit oberhalb der Siedlung von maximal 1,5 m / J. auf weniger als 5 bis 10 cm pro Jahr reduziert. Bis zum Stollenbauende wird eine weitere Abnahme erwartet.

Von einem erheblich gefährdeten Gebiet spricht man bei einer Rutschgeschwindigkeit von über 10 Zentimeter pro Jahr.

Der Gemeindeführungsstab der Gemeinde Glarus Süd führt die Evakuierungen im grösseren Einzugsgebiet des Erdrutsches durch. Im Einsatz stehen Kräfte der Feuerwehr Glarus Süd sowie der Feuerwehr Glarus, des Rettungsdienstes, des Zivilschutzes und der Kantonspolizei Glarus.

Quelle: Text Gemeinde Glarus Süd, 29. August 2023
Bilder aus dem Rutschgebiet

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Vorbereitungsarbeiten für den Entwässerungsstollen in Braunwald aufgenommen

2. April 2025

Nachdem die Beschwerde gegen das Projekt beim Bundesgericht zurückgezogen wurde, liegt mittlerweile eine rechtskräfige Baubewilligung vor. In den letzten Monaten wurden die Vorbereitungsarbeiten vorangetrieben. Ziel ist ein Baustart im Herbst 2025. Die Kostenprognose musste angepasst werden.

Damit der Zeitplan eingehalten werden kann, benötigt es Entscheide der Entwässerungskorporation Braunwald und der Gemeinde Glarus Süd. Hierfür finden eine Versammlung der Korporation Ende April 2025 und eine Gemeindeversammlung Ende Juni 2025 statt. Diese beschliessen über die erhöhten Kreditbegehren. Denn die prognostizierten Kosten haben sich aufgrund der Projektverzögerung und der Teuerung auf 45,9 Millionen Franken erhöht.

Seitens Kanton und Bund werden 80 Prozent der beitragsberechtigten Kosten getragen, was zu einem Beitrag von 36,3 Millionen Franken führt. Dies entspricht einer Kostensteigerung des Kantonsanteils um rund 2,5 Millionen Franken. Weiter werden aufgrund eines Entscheids der Landsgemeinde 2021 zusätzliche Gelder von 1,623 Millionen Franken durch den Kanton gesprochen. Da es sich dabei um gebundene Ausgaben handelt und ein bestehender Landsgemeindeentscheid vorhanden ist, sind seitens Kanton keine neuen Beschlüsse im Zusammenhang mit den höheren Kostenschätzungen notwendig.

Unterstützung bleibt unbestritten

Der Regierungsrat hat das Projekt des Entwässerungsstollens Braunwald in den Jahren 2020 und 2022 genehmigt und den Beitragssatz von 80 Prozent festgelegt. Er unterstützt das wichtige Projekt weiterhin vollumfänglich. Die Erhöhung der Kostenprognose benötigt keinen zusätzlichen Regierungsratsbeschluss (gebundene Kosten). Die Landsgemeinde 2021 hat ihrerseits ein deutliches Zeichen für Braunwald und den Entwässerungsstollen gesetzt. Neben einer nachhaltigen Sicherung von Braunwald wird mit dieser Massnahme auch der Schutz des Talbodens verbessert. Für die Realisierung des Entwässerungsstollens wird mit einer Bauzeit von vier bis fünf Jahren gerechnet.

Quelle: Text Kanton Glarus, Departement Bau und Umwelt, Medienmitteilungen,2. April 2025

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Materialseilbahn für den Bau des Entwässerungsstollens Braunwald

20. April 2026

Das Projekt «Entwässerung Braunwald 2025 - 2030» nimmt Fahrt auf. Eine eigens errichtete Materialseilbahn bildet das Herzstück der ganzen Baustellenlogistik. Bis Herbst 2026 erfolgen weitere diverse Vorbereitungsarbeiten sowohl im Tal als auch am Berg. Der Start zum Vortrieb des Entwässerungsstollens findet direkt danach statt.

Seit 2025 laufen die Vorarbeiten für das Grossprojekt zur Entwässerung von Braunwald, das bis 2030 dauern wird und für das 45.9 Millionen Franken veranschlagt sind. Inzwischen ist die Fläche für den Installations- und Umschlagplatz an der Talstation der Materialseilbahn in der Nähe des Parkplatzes der Braunwald-Standseilbahn AG erstellt worden. Die Fläche für den Installationsplatz bei der Bergstation ist bereits gerodet. Sichtbar sind zudem die Fundamente der drei Stützen für die Materialseilbahn, die nach Vollendung des Entwässerungsstollens wieder abgebaut wird. Alle für die Bahn und die Baustelleninstallation genutzten Flächen werden am Ende renaturiert. In den nächsten Monaten entsteht der Installationsplatz bei der Bergstation der Materialseilbahn und es wird ein Einschnitt im Gelände erstellt, um mit dem untertägigen Bau des Stollens beginnen zu können.

Materialseilbahn sorgt für schonenden Bau in Braunwald

Die Arbeiten untertage beginnen voraussichtlich im Verlauf des kommenden Herbstes. Zuvor werden die Tunnelbauunternehmung und Fachfirmen die notwendigen Installationen wie Baustellenbaracken, Geräte und Wasserbehandlungsanlagen anliefern und einrichten. Während der Sommermonate konzentrieren sich die Bauarbeiten weiterhin auf die oberirdischen Baustellenbereiche. Für den Projektleiter Robert Strukely ist die neue Materialseilbahn ein wesentlicher Baustein für die Umsetzung des Projekts: «Der Materialtransport erfolgt einzig über die Materialseilbahn. So bleibt Braunwald auch während der ganzen, mehrjährigen Bauphase autofrei. Damit werden zusätzliche Belastungen für das Dorf und die Landschaf vermieden». Transportiert werden nicht nur Maschinen und Material für die Baustelle, sondern später auch der Ausbruch aus dem Stollen.

Die Pendelbahn mit Umlaufantrieb ist rund 1,5 Kilometer lang und hat bei Normalbetrieb eine Nutzlast bis zu13,5 Tonnen. Die Höhendifferenz beträgt knapp 600 Meter.

Warum ein Entwässerungsstollen?

Mit dem Entwässerungsstollen reagiert Braunwald auf eine seit Generationen bekannte Herausforderung: Auf einer Fläche von rund vier Quadratkilometern bewegt sich das Erdreich im Siedlungsgebiet langsam talwärts. Durch die gezielte Ableitung von Wasser aus der Rutschmasse wird der Porenwasserdruck reduziert und die Stabilität des Untergrunds nachhaltig erhöht. Erreicht wird dies durch den Bau eines Hauptstollens mit einer Länge von 918 Metern sowie eines zusätzlichen Seitenstollens. Die Entwässerung des Erdreichs bremst die Bewegung massgeblich, wodurch Schäden an Gebäuden und Infrastruktur in Braunwald und in den darunterliegenden Talgebieten künfig verhindert werden.

Das Konzept der unterirdischen Entwässerung hat sich bereits mehrfach bewährt:

Vergleichbare Projekte wurden erfolgreich in Beckenried (Nidwalden), Campo Vallemaggia (Tessin) oder beim Stollen La Frasse unterhalb des Col des Mosses (Waadt) umgesetzt. Aktuell zeigt der sich in Erstellung befindende Entwässerungsstollen unter dem Dorf Brienz/Brinzauls (Kanton Graubünden) eine positive Wirkung. Die Rutschbewegung der Erdmasse hat sich dort deutlich verlangsamt.

Das Nutzen-Kosten-Verhältnis zwischen den Investitionen und den potenziellen künfigen Schadensereignissen liegt beim Entwässerungsstollen Braunwald bei einem Faktor von über zehn. Damit erfüllt der Bau des Stollens in Braunwald auch die Wirtschaflichkeitsvorgaben des Bundes zur Unterstützung von Massnahmen zum Schutz vor Naturgefahren um ein Mehrfaches.

Mehr Sicherheit für Bevölkerung und Infrastruktur

Parallel zum Bau wird die bereits heute praktizierte Überwachung der Hangrutschung Braunwald weitergeführt, um die Hangbewegung und die Auswirkungen der Bauarbeiten jederzeit im Blick zu behalten. Markus Hefi, Präsident der Entwässerungskorporation, betont: «Das Entwässerungsprojekt leistet einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit von Bevölkerung, Gästen und Infrastruktur. Gleichzeitig reduziert es langfristig das Risiko von Schäden durch Hangbewegungen und Murgänge».

Nach aktuellem Planungsstand soll der Entwässerungsstollen bis 2029 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Die Umsetzung der Rekultivierungen, ökologischen Ersatzmassnahmen und der Aufforstung dauern bis 2030.

Quelle: Text Gemeinde Glarus Süd, Medienmitteilungen, 20. April 2026
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Bergsturz Ein Bergsturz ist eine Massenbewegung von Felsblöcken, Geröll und Schutt mit einem Volumen von über einer Million m3 Material, das entspricht dem Volumen von 1'000 bis 2'000 Einfamilienhäusern.
Felssturz Von einem Felssturz spricht man, wenn sich Felsblöcke, Geröll und Schutt mit einem Volumen von mehr als 100m3 und weniger einer Million m3 talwärts bewegen, das ist vergleichweise das Fassungsvermögen von 500 bis 600 Badewannen.
Blockschlag Blockschlag entsteht, wenn grössere Felsbrocken bzw. Felsblöcke niedergehen.
Steinschlag Ein Steinschlag ist ein Sturzprozess, bei welchem sich kleinere Mengen von Fels-, Schutt- und Steinmaterial, oft sogar nur einzelne Steine ins Tal stürzen. Grössere Steinschlagereignisse können u.a. Verkehrsverbindungen und Wanderwege kurzzeitig blockieren.
Murgang oder Rüfe Murgänge sind eine Mischung aus Hochwasser, Erdrutsch und Felssturz. Murgänge oder Rüfen sind «Gerölllawinen».
Hangrutsch Von einer Hangrutschung spricht man, wenn festes Material wie Fels und Gestein auf einer festen Unterlage talwärts gleitet. Das kann ein jahrhundertelanger Prozess sein, kann aber auch spontan und schnell ablaufen
Quelle: WSL
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