Geomorphologie: Massenbewegungen
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Geomorphologie Massenbewegungen
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Starkregen bei Brienz Kanton Bern 2024
Unwetter bei Brienz am 12. August Auswirkungen
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Massenbewegungen
Unwetter in Brienz am Brienzersee (Kanton Bern)

12. August 2024

Verheerende Murgänge nach Starkregenereignissen bei Brienz

Am Montag, 12. August 2024, lagen über der Schweiz instabile, heisse Luftmassen mit einem hohen Feuchtigkeitsgehalt. In den meisten Luftschichten fanden vorest kaum Luftbewegungen statt. Die Höhenwinde wehten äusserst schwach. Mit der zunehmenden Sonneneinstrahlung am frühen Morgen kamen vertikale Lufthebungen in Gang. Aus den Aufwinden bildeten sich Gewitterherde.

In den ersten Mittagsstunden entwickelten sich entlang der nördlichen Schweizer Grenze einzelne Gewitterherde. Am späteren Nachmittag überzogen Dutzende von Gewitterzellen den westlichen Teil der Schweiz vom Pruntruterzipfel bis zu den Walliser Alpen. Die stärksten Gewitterzellen nisteten sich in der Region zwischen dem Thunersee und dem Brienzersee sowie Grindelwald ein. Als Folge der schwachen horizontalen Luftbewegung verschoben sich die Gewitterherde kaum, was örtlich zu ausgeprägten Starkniederschlägen führte. Die heftigen Niederschläge waren von einer starken Abkühlung begleitet. An einigen Orten fiel die Lufttemparatur um 13°C. Der markante Temperaturabfall löste lokal Windböen von mehr als 100 km/h aus.

Die Region um die Ortschaft Brienz am Brienzersee war besonders stark von den Auswirkungen der Starkniederschläge betroffen. Der Höhepunkt der Niederschlagstätigkeit am Brienzer Rothorn konzentrierte sich am Montag, 12. August 2025, auf den Zeitraum zwischen 18.30 und 19.05 Uhr.

In 30 Min. fielen am Südhang des Brienzer Rothorns stellenweise 90 bis 100 mm Regen. Die automatische Messstation von MeteoSchweiz in Brienz BE mass in diesem Zeitraum 42 mm Regen. Im langjährigen Mittel werden in dieser Region zwischen 1'200 und 1'500 mm Niederschlag pro Monat gemessen.

Die gewaltigen Wassermassen wuschen am oberen Rand der Bergkette um den Gipfel des Brienzer Rothorns grosse Mengen an Schuttmaterial aus und verschoben das Geröll als Geschiebe talwärts. Der Geschiebestrom, welche sich durch das Bachbett des Milibachs talwärts wälzte, entwickelte sich zu ein gewaltigen Murgang.

In den Murgang eingelagert waren grosse Felsblöcke. Der 18'000 m3 fassende Geschiebesammler im Milibach nördlich des Brienzer Ortsteils Seematten war rasch aufgefüllt und überlastet. Die Wassermassen suchten sich neue Wege zum Brienzersee. Die mit Schutt, Geröll, Treibholz, Mauerresten usw. gefüllten Wassermassen flossen beidseits der Brienzer Kirche mehrheitlich ausserhalb des üblichen Bachlaufs hinunter zum See. Das Wasser benutzte ausserdem die Bahntrasse der Zentralbahn inklusive den Bahntunnel als zusätzliches Abflussgerinne. Ein ungezähmter "Wildbach" schoss durch den Bahntunnel ostwärts zum Brienzer Bahnhof.

Schätzungen der von den Behörden beauftragten Gelogen gehen davon aus, dass insgesamt 60'000 bis 65'000 m3 Geschiebe durh den Milibach verfrachtet und abgelagert wurden. Mit dieser Geschiebfracht könnten 865 Bahngüterwaggons gefüllt werden.

Die Berner Gebäudeversicherung GVB rechnet mit Unwetterschäden von 25 bis 30 Millionen Franken.

Die Regenfälle am 12. August 2024 fielen an den südlichen Abhängen des Brienzer Rothorns und somit in den Einzugsgebieten verschiedener Bergbäche wie dem Milibach, dem Trachtbach, dem Glyssibach, dem Lammbach usw. ganz unterschiedlich stark. Während der Geschiebesammler im Millibach vollständig gefüllt und überfahren wurde, blieben in den Geschiebesammlern im Glyssibach und im Lammbach nur wenig zusätzliches Geschiebe liegen.

Text: RAOnline (ohne KI)
Quellen: MeteoSchweiz, SRF, Gemeinde Brienz 2024
Schadenskosten durch Naturereignisse

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Unwetter bei Brienz am 12. August 2024: Auswirkungen
Dorf Brienz Brienz Rothorn Bahn Zentralbahn

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Unwetterschäden im Dorf Brienz

Informationen zum Unwetter in Brienz vom 12./13. August 2024

Update: 13.08.2024, 10:00 Uhr

Rote Zone rund um das Gebiet "Änderdorf" ist dringend zu beachten.

Aufgrund der heftigen Gewitter vom Montagabend, 12. August 2024, trat der Milibach in Brienz gegen 18.30 Uhr über die Ufer. Das mitgeführte Geschiebe, bestehend aus Stein- und Felsbrocken sowie Holz, führte dazu, dass ein Sammler oberhalb des Dorfes überfüllt wurde und das Geschiebe unkontrolliert in die Dorfteile Seematte, Rybi, Steiner sowie rund um die Kirche floss. Dabei wurden Gebäude, parkierte Fahrzeuge, Strassen sowie Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs beschädigt.

70 Personen wurden aus ihren Häusern evakuiert. Zwei Personen wurden leicht bis mittelschwer verletzt. Es werden keine Personen vermisst. Das Gebiet «Brienz Änderdorf» ist bis auf Weiteres aufgrund der anhaltenden Gefahrenlage gesperrt. Die Durchfahrt durch Brienz ist in beiden Richtungen (Richtung Oberried/Richtung Kienholz) vollständig gesperrt. Mit der Räumung der Hauptstrasse konnte begonnen werden.

Die Trink- und Abwasserversorgung ausserhalb des Schadengebietes ist gewährleistet. Auch Trinkwasser muss nicht weiter abgekocht werden.

Die Bahn- und Schiffsverbindungen von und nach Brienz ist im Moment unterbrochen. Ersatzbusse der Zentralbahn sind im Einsatz.

Bei Tagesanbruch wird ein Geologe die Situation vor Ort beurteilen. Auf Basis dieser Einschätzung wird das RFO Oberer Brienzersee bezüglich des weiteren Vorgehens entscheiden.

Im Einsatz standen die Feuerwehr Brienz, die Berufsfeuerwehr Bern, das Feuerwehrinspektorat Bern, Angehörige der Alpinen Rettung, die Rega, verschiedene Rettungsdienste, das Care-Team des Kantons Bern, die Kantonspolizei Bern sowie Mitglieder des Zivilschutzes Alpenregion und
Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde.

Quelle: Text RFO Oberer Brienzersee, 13. August 2024
Unwetterschäden an der Infrastruktur der Zentralbahn

Lage vom 17. August 2024, Stand 08.30 Uhr

Bisher ist trotz des andauernden Niederschlages die Lage rund um den Milibach unter Kontrolle. Seit dem späten Abend des 17. August (22.30 Uhr) arbeiten Maschinen im Bach, um das Gerinne freizuschaufeln und Schwachpunkte des provisorischen Schutzsystemes augenblicklich auszugleichen. Heute Morgen wurden von den Verantwortlichen des RFO Oberer Brienzersee beschlossen, mit weiteren Maschinen im Sammler, als auch an den provisorischen Schutzmassnahmen weiterzuarbeiten. Im Moment fliesst viel Wasser im Milibach, welches das Feinmaterial vom entstandenen Gerinn kontrolliert in den See spült.

Lamm-, Glyssi- und Trachtbach werden regelmässig begangen und stehen unter fachmännischer Beobachtung. Sie sind Teil des Sicherheitskonzptes.

Mittlerweile unterstützt das RFO Oberhasli das RFO Oberer Brienzersee mit dem Ziel, einzelne, seit dem Abend des 12. August 2024 im Einsatz stehende Stabsmitglieder abzulösen und zu entlasten. Ebenso ist die alpine Rettung des SAC Oberhasli ausgerückt, um die Besetzung der definierten Überwachungsposten entlang des Milibachs 24/7 zu besetzen.

Quelle: Text RFO Oberer Brienzersee, 17. .August 2024

Lage vom 19. August 2024, Stand 11.00 Uhr

Das provisorische Gerinne des «Milibachs» hat den Regenfällen vom Wochenende standgehalten. Die Räumung des Geschiebesammlers hat weiterhin Priorität. Deshalb ist ab sofort mit erheblichem Schwerverkehr durch den westlichen Dorfteil von Brienz zu rechnen. Wir sind uns bewusst, dass der Verkehr durch das Änderdorf eine erhebliche Mehrbelastung für die Anwohner ist.

Zurzeit prüft Daniel Grossmann, Naturgefahrenberater des RFO Oberer Brienzersee, zusammen mit zwei Geologen das Einzugsgebiet des «Milibachs».

Quelle: Text RFO Oberer Brienzersee, 19. August 2024
Brienz: Massnahmen zur Reduktion der Unwetterschäden - Suche nach Lösungen

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Massnahmen zur Reduktionder Unwetterschäden: Suche nach Lösungen

Die Schwellenkoporation Brienz beauftragte eine Expertengruppe damit, die Auswirkungen des Unwetters vom 12. August 2024 in Brienz zu analysieren und Massnahmen zu einer Schadensvermeidung bzw. -minderung vorzuschlagen.

Die Vorschläge orientierten sich an fünf Massnahmenmöglichkeiten: Das Wasser umleiten, durchleiten, rückhalten und/oder umleiten sowie Verbesserungen beim Objektschutz und in der Notfallplanung.

Massnahmenelemente:

A. Oberlauf (oberhalb Milibachflue):

Geschiebentlastung / -umleitung (schwierig zu realisieren, Nutzen beschränkt, sehr teuer)

Abflussdosierung und Geschieberückhalt (Bau und Unterhalt sehr aufwendig und teuer, möglicher besserer Hochwasserschutz für das Dorf gering)

Aufforstung der Talhänge und Gerinnestabilisierung (Verminderung der Gerinneerosion bescheiden, da felsiges Gelände)

B. Mittellauf (Milibachflue bis Gerinnesammler):

Geschiebentlastung / -umleitung (schwierig zu realisieren, Nutzen beschränkt, sehr teuer)

Geschiebestabilisierung (Sperrentreppe) und Geschieberückhalt
(Bau und Unterhalt sehr aufwendig und teuer, ungeeignetes Baugelände)

Sprengung von grossen Felsblöcken (mehr Geschiebe und Tiefenerosion, Destabilisierung der Abhänge)

C. Unterlauf(Gerinnesammler bis Brienzersee):

Gerinneausbau Typ Trachtbach (wenig Nutzen)

Gerinneausbau Typ Glyssibach

zusätzlicher Geschieberü̈ckhalt/-ablagerungsraum

Umleitung westlich Milibach (ehemalige Bachläufe/Abflusskorridore)

usw., usw.

Beurteilung eher negativ
Beurteilung eher positiv

Die beste Projektvariante aus Sicht der Projektveranwortlichen stellt nach dem Abwägen aller zur Verfügung stehenden Beurteilungsfaktoren die Variante BrienzWest dar. Bis ein endgültiger Prjektentscheid getroffen werden kann, müssen die Verantwortlichen von Gemeinde, Kanton und Bund noch weitere Abklärungen vornehmen und anstehende Fragen wie u.a. zu den Auswirkungen auf die Grundeigentümer (Mehrgefährdung, Entschädigungszahlungen usw.) beantworten.

Quelle: Schwellenkorporation Brienz, Protokoll der Begeleitgruppensitzung vom 18. November 2024
Zusammenfassunf: RAOnline
Bern Hochwasserschutz in der Region Brienz

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Milibach (Mühlibach): Einzugsgebiet am Brienzer Rothorn
Massenbewegungen Felsstürze im Hochgebirge
Naturgefahren in der Schweiz
Naturgefahrenereignisse 2024
Bergsturz am Piz Scerscen GR
Bergsturz am Piz Cengalo im Bergell/Bregaglia
Bergsturzgefahr bei Brienz/Brinzauls im Albulatal GR
Verheerende Murgänge in den Schweizer Alpen GR, TI, VS
Erdrutsch in Schwanden (Glarus)

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Bergsturz Ein Bergsturz ist eine Massenbewegung von Felsblöcken, Geröll und Schutt mit einem Volumen von über einer Million m3 Material, das entspricht dem Volumen von 1'000 bis 2'000 Einfamilienhäusern.
Felssturz Von einem Felssturz spricht man, wenn sich Felsblöcke, Geröll und Schutt mit einem Volumen von mehr als 100m3 und weniger einer Million m3 talwärts bewegen, das ist vergleichweise das Fassungsvermögen von 500 bis 600 Badewannen.
Blockschlag Blockschlag entsteht, wenn grössere Felsbrocken bzw. Felsblöcke niedergehen.
Steinschlag Ein Steinschlag ist ein Sturzprozess, bei welchem sich kleinere Mengen von Fels-, Schutt- und Steinmaterial, oft sogar nur einzelne Steine ins Tal stürzen. Grössere Steinschlagereignisse können u.a. Verkehrsverbindungen und Wanderwege kurzzeitig blockieren.
Murgang oder Rüfe Murgänge sind eine Mischung aus Hochwasser, Erdrutsch und Felssturz. Murgänge oder Rüfen sind «Gerölllawinen».
Hangrutsch Von einer Hangrutschung spricht man, wenn festes Material wie Fels und Gestein auf einer festen Unterlage talwärts gleitet. Das kann ein jahrhundertelanger Prozess sein, kann aber auch spontan und schnell ablaufen
Quelle: WSL

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